Das Plakatmotiv des Kirchentages 2013 in Hamburg zeigt Jugendliche am Hamburger Dock, darüber ist in blau ein Blatt mit Abreisszetteln gelegt.

Hamburg 2013

34. Deutscher Evangelischer Kirchentag.
1. bis 5. Mai 2013

Soviel du brauchst

(2. Mose 16,18)

In der Losung steckt die Zusage, dass Gott für dich sorgt: Es ist so viel da, wie du brauchst. Aber auch die Aufforderung: Gebrauche nur so viel, wie zur Verfügung steht. Die Frage nach Verteilung von Wohlstand und Ressourcen stand also im Mittelpunkt. Aus den vielfältigen Themenbereichen stach die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit hervor. "Wenn man aus dem Gesamtgeschehen eine einzige Botschaft kristallisieren müsste: Menschen, die arbeiten, müssen von ihrem Lohn auch leben können. Und die, dienicht arbeiten können, müssen einen Anspruch darauf haben, ebenfalls ein menschenwürdiges Leben führen zu können", resümierte Kirchentagspräsident Gerhard Robbers im Interview mit dem Epd. Weitere Schwerpunkte des Hamburger Kirchentages waren neben dem verantwortungsvollen Wirtschaften der interreligiöse Dialog und die Teilhabe aller Menschen in dieser Gesellschaft, also Inklusion.

Teilhabe für alle – das ist Inklusion

von Kirchentagspräsident Gerhard Robbers

Inklusion ist nicht nur ein Thema auf dem Kirchentag – es wird gelebt. Hier in Hamburg bringen wir ALLE Menschen zusammen. Barrierefrei sind wir schon seit 30 Jahren – und Kirchentag ist nach den Paralympics das Großereignis, das in Deutschland am Behindertengerechtesten ist. Barrierefrei bedeutet: Inklusion ganz praktisch. Ob im Eröffnungsgottesdienst am Strandkai mit Leichter Sprache – da wird das zu erleben sein – verständlich für alle und im Fernsehen übertragen – damit alle dabei sein können, auch zu Hause. Und wieder gibt es auch ein Zentrum Barrierefrei mit über 30 Veranstaltungen.

Neu ist, dass wir in Hamburg das Thema Inklusion erstmals zum Programmpunkt gemacht haben: im Zentrum Inklusion. Wir diskutieren über vorgeburtliche Diagnostik, überlegen, wie eine inklusive Kirche, eine inklusive Diakonie aussehen kann und fragen uns, ist die Kirche eigentlich ein gastlicher Ort für alle – könnte wohl besser sein.

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Statistiken

Insgesamt begrüßte Hamburg 117.484 Dauerteilnehmende beim Kirchentag, was etwa der Zahl aus Dresden 2011 entspricht. 40 Prozent der Teilnehmenden waren unter 30 Jahre alt und knapp 60 Prozent waren Teilnehmerinnen. Für über 70 Prozent der Teilnehmenden war es mindestens der dritte Kirchentag.

Zum Abend der Begegnung strömten 350.000 Menschen in die Hamburger Innenstadt. Aus insgesamt 85 Ländern begrüßte der Kirchentag über 4.000 ausländische Gäste, die meisten davon aus Österreich, der Schweiz, Ungarn und Polen. Knapp 36.000 Mitwirkende gestalteten den Kirchentag und neben 310 hauptamtlichen Mitarbeitern sorgten ungefähr 14.500 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für einen reibungslosen Ablauf.

Das Budget des Kirchentages lag bei knapp 18,5 Millionen Euro, die sich auf die Freie Hansestadt Hamburg (7,5 Millionen Euro), den Bund (400.000 Euro), Projektmittel (knapp 600.000 Euro), die Nordkirche (4,25 Millionen Euro) und Einnahmen aus Tagungsbeiträgen, Sponsoring, Merchandising etc. (5,75 Millionen Euro) verteilen.
In den Zentralgottesdiensten und Feierabendmahlen legten die Besucherinnen und Besucher eine Kollekte von insgesamt knapp 319.000 Euro zusammen.

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Bibeltexte

Bibelarbeiten

Donnerstag: Lukas 18,1–8, Die Witwe fordert ein Mindestmaß an Gerechtigkeit
Freitag: 5. Mose 15,1–11, Erlassjahr – wie es gehen kann
Samstag: Johannes 6,1–15, Es reicht für alle – die Speisung der 5000

Eröffnungsgottesdienst: Ex 16,11–18

Schlussgottesdienst: Mi 4,4.5

Feierabendmahl: 1 Kor 12,21–27

Kirchentagspsalm: Ps 104,24–31

Bildergalerie

Programm-Schlaglicht: Hauptvortrag "Eine starke Gesellschaft"

Bundespräsident Joachim Gauck, Samuel Koch, die Geschäftsführerin eines Inklusionsdienstleister Monika Labruier und der Paralympics-Sieger und Pfarrer Rainer Schmidt diskutieren miteinander über Inklusion. Samuel Koch sagt, dass Gott für ihn in der Zeit nach dem Unfall unglaublich wichtig gewesen sei. Joachim Gauck, der für seinen Auftritt auf dem Hamburger viel Anerkennung bekommen hat, antwortet: „Ich möchte den Satz nicht kommentieren, aber Gott dafür danken, dass ich ihn gehört habe.“ Das ZDF hat den Hauptvortrag "Eine starke Gesellschaft" live übertragen. Sie können ihn in der Mediathek ansehen.

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Kirchentagssong 2013: "Soviel du brauchst" von Mic Donet

Pressestimmen

Evangelisches Reformhaus

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Mai 2013, Reinhard Bingener
"Der geläufigste Vorwurf gegen den Kirchentag lautet [...] die Veranstaltungen seien durchpolitisiert. In den Hallen versammle sich ein Publikum, das sein gutes Gewissen stärke, indem es anderen moralische Vorhaltungen mache. Die als Erwiderung inzwischen reichlich abgenutzte Formel der Kirchentagsmacher, ihre Veranstaltung sei eben „fromm und politisch zugleich“, verdeckt allerdings eher, worum es geht, als dass sie es offenlegt. Denn der Protestantismus ist nicht per se politisch. Er neigt nur zu innerweltlicher Unruhe."

Theologe und Arzt Eckhard Nagel zieht positive Kirchentags-Bilanz

Neue Ruhr Zeitung, 5. Mai 2013, Thomas Rünker, Interview
Eckhard Nagel: "Ein durchgehendes Thema auf vielen Podien war die Solidarität, jeweils bezogen auf verschiedene Kontexte – sei es mit Blick auf globale Verteilungsfragen z.B. beim Wasser, auf die aktuelle Schuldenkrise in Europa, auf ein intensiveres Miteinander in der Ökumene oder auf die Herausforderungen in den soziale Sicherungssystemen. All diese Punkte haben sich in Hamburg immer wieder zugespitzt auf die Frage nach der Bereitschaft zu teilen."

So viel Kirchentag sie brauchten

Deutsche Welle, 5. Mai 2013
"An dem Treffen protestantischer Laien hatten sich auch katholische, orthodoxe, jüdische und muslimische Gemeinden in unterschiedlicher Form beteiligt. "Das zeigt: Das Zusammenleben von Religionen und Kulturen kann gelingen. Wir können zusammen", sagte Robbers. Und er fügte hinzu: "Wir haben einen herrlichen Kirchentag erlebt. Fröhlich, fest, kontrovers. Der christliche Glaube ist ein starker Glaube, fest und zuversichtlich."

Auf dem Kirchentag werden die falschen Fragen gestellt. Und wo blieb das Ja zu Europa?

taz.de, 5. Mai 2013, Jan Feddersen
"Der Kirchentag muss auch politisch sein, sonst verfehlte er seinen jesuanischen Selbstanspruch. Das Hamburger Festival hingegen begnügte sich, leider, mit Allfälligem und Wohlfeilem. Wie schade – sie könnten es besser!"

Der gnadenlos grüne Kirchentag

Die Zeit, 5. Mai 2013, von Wolfgang Thielmann
"Ob Jesus wirklich Gott ist und die Bibel Gottes Wort enthält, darüber werden Kirchentage kontrovers diskutieren. Was Sex angeht, war der Kirchentag immer schon undogmatisch. Er braucht auch keinen Konsens darüber, ob Treue in der Partnerschaft heute noch nötig ist oder die Kirche ein Streikverbot braucht. Selbst bei der Position zur Exportpolitik deutscher Waffenhersteller leistet sich die evangelische Kirche den Luxus widersprechender Meinungen.
Aber beim Müll kennt der Kirchentag keinen Diskurs und keinen Widerspruch. Das Glaubensbekenntnis lautet: Müll trennen, Strom sparen, Fahrrad fahren. Der Anteil an Restmüll beim Kirchentag soll auf unter 30 Prozent sinken."

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