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Stöbern Sie in der Geschichte des Kirchentages. Dieses Archiv wird Stück für Stück weiter ausgebaut.

Von Beginn an sollte der Deutsche Evangelische Kirchentag ein "Fest des Glaubens" und gleichzeitig ein "Forum der Welt" sein. Im Vordergrund stand in der gesamten Kirchentagsgeschichte stets die Frage nach der Verantwortung der Christen in der Welt. Im Hinblick auf die Teilung Deutschlands in Bundesrepublik und DDR blieb der Kirchentag ein wichtiges Dialogforum, das große Verbindungskraft hatte. Auch nach der Wiedervereinigung betonte der Kirchentag den gesellschaftlichen Anspruch, eine "Zeitansage" zu sein. Vom Kirchentag sollen wichtige Impulse an Verantwortungsträgerinnen und -träger aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausgesendet werden.

Geschichte im Überblick

Vorläufer des Deutschen Evangelischen Kirchentages reichen bis in das Revolutionsjahr 1848 zurück. Im Jahr 1949 initiierte dann Reinold von Thadden mit einigen Mitstreitern die "Evangelische Woche" in Hannover, von der schließlich der Impuls für eine dauerhafte Institution ausging. In der Folge fanden bis Mitte der 1950er-Jahre regelmäßige Treffen statt, erst jedes Jahr, ab 1959 alle zwei Jahre. Der Deutsche Evangelische Kirchentag sah sich in bewusster Abgrenzung zur Amtskirche als Laienbewegung und betonte die Gemeinschaft aller Christen. So war von Beginn an die Frage der Deutschen Einheit ein wichtiges Anliegen.

Nach der endgültigen Teilung Deutschlands dominierten in den 1960er Jahren unter Kirchentagspräsident Richard von Weizsäcker politische Themen und die Unruhen der Studentenproteste. Beim Kirchentag 1969 in Stuttgart kam es zum Bruch zwischen der konservativen Pietisten, die in der Konsequenz den "Gemeindetag unter dem Wort" als Alternativveranstaltung gründeten, und Gruppierungen, die auf Reformen aus waren. Die Kirchentagsbewegung geriet in eine Identitätskrise, und im Jahr 1971 wurde kein Kirchentag gefeiert. In der Folge schärfte der Kirchentag sein Profil als Mitmach-Veranstaltung, bei der Christen ihre Stimme erheben wollen.

In den 1980er-Jahren dominierten Umweltthemen und der Kirchentag startete sein Engagement für Barrierefreiheit. Nach der Wiedervereinigung feierten die Christen 1991 im Ruhrgebiet erstmals wieder einen gemeinsamen Kirchentag, 1997 erstmals wieder im Osten Deutschlands in Leipzig. 2003 richteten der Kirchentag und der Katholikentag nach dem ökumenischen Pfingsttreffen 1971 erstmals wieder ein gemeinsames Christentreffen aus, den Ökumenischen Kirchentag in Berlin, dem ein zweiter Ökumenischer Kirchentag in München 2010 folgte. Kirchentags-Themen des neuen Jahrtausends sind unter anderem Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt und das Verhältnis von Wirtschaft und Ethik.

Bedeutende Persönlichkeiten des Kirchentages

Reinold von Thadden-Trieglaff

Reinold von Thadden-Trieglaff war Initiator des Deutschen Evangelischen Kirchentages und dessen erster Präsident von 1949 bis 1963. Bis zu seinem Tod 1976 blieb er Ehrenpräsident. Während der NS-Zeit war Thadden Mitglied der Bekennenden Kirche. Nach dem Krieg arbeitete er für verschiedene christliche Organisationen, unter anderem den Christlichen Studenten-Weltbund und den Weltkirchenrat. Im Jahr 1949 berief er mit seinen Mitstreitern den Christlichen Studententag ein und etablierte den Deutschen Evangelischen Kirchentag als dauerhafte Einrichtung und Laienbewegung.

Hanns Lilje

Der Theologe Johannes "Hanns" Lilje war Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche von Hannover und später stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD. Als Mitstreiter von Reinold von Thadden-Trieglaff setzte er sich für die Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchentages ein. Im Vorfeld des Kirchentages 1967 in Hannover befürwortete er die Öffnung des Kirchentages für moderne Theologen und trat damit konservativen Stimmen entgegen.

Richard von Weizsäcker

Mehr als 30 Jahre, von 1962 bis 1989, gehörte Richard von Weizsäcker dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages an, von 1965 bis 1969 sowie 1981 war er Kirchentagspräsident. Bis 2013 kam von Weizsäcker noch regelmäßig als Referent oder Teilnehmer zu Kirchentagen. Als weitsichtiger Ratgeber und warmherziger, humorvoller Begleiter stand er der Laienbewegung zur Seite.

Erhard Eppler

Der SPD-Politiker war Bundestagsabgeordneter und von 1968 bis 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Zeitlebens war er dem Protestantismus verbunden. Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn engagierte er sich ehrenamtlich und war unter anderem Präsident der Kirchentage 1983 und 1991. In den Friedensbewegung in den 1980er-Jahren war er einer der führenden Köpfe.

Porträt von Eckhard Nagel

Eckhard Nagel

Der Mediziner war fünf Jahre Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen. Davor und danach arbeitete er als Professor an der Universität Bayreuth. Er ist Mitglied im Ethikrat und war 2005 Präsident des Kirchentages in Hannover und evangelischer Präsident des OEKT 2010 in München.

Reinhard Höppner

Der Mathematiker war acht Jahre Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, zuvor war er stellvertretender Vorsitzender der frei gewählten Volkskammer der DDR. Er gehörte dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages seit 1993 an und war 2007 Präsident des Kölner Kirchentages. Bis zu seinem Tod 2014 war er Vorsitzender im Leitungskreis des Reformationsjubiläums 2017. Die politische Weltverantwortung der Christen war ihm zeitlebens ein Herzensanliegen.

Margot Käßmann

Die streitbare Theologin war von 1994 bis 1999 Generalsekräterin des Kirchentages und später Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und bis 2010 Ratsvorsitzende der EKD. Seit 2012 ist sie „Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017“ der EKD. Ihrem theologischen Verständnis folgend forderte sie immer wieder eine Rückbesinnung auf die Bibel als Fundament der Evangelischen Kirche und setzte sich gleichzeitig für progressive Haltungen beispielsweise im Bereich Partnerschaft ein. Ihre Popularität als Theologin und Buchautorin macht sie bis heute zu einem der "Stars" jedes Kirchentages.

Porträt von Ellen Ueberschär

Ellen Ueberschär

Die Theologin aus Ost-Berlin ist seit 2006 Generalsekretärin des Kirchentages und hat diesen im vergangenen Jahrzehnt erheblich geprägt. Als promovierte Pfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz arbeitete sie vor ihrer Zeit beim Kirchentag als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg und als Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Loccum. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema „Junge Gemeinde im Konflikt“. Sechs Jahre lang war Ueberschär Mitglied in der Synode der EKD.

Präsidentinnen und Präsidenten

Der Gründer des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Reinold von Thadden-Trieglaff, war auch dessen Präsident bis zum Dortmunder Kirchentag 1963, sein Nachfolger Richard von Weizsäcker stand vier Kirchentagen als Präsident vor. Ab dem Jahr 1970 amtiert eine Präsidentin oder ein Präsident immer für zwei Jahre bis zum nächsten Kirchentag. Die erste Frau im Amt war 1987 Eleonore von Rotenhan. Aktuelle Präsidentin für den Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg ist Christina Aus der Au. Eine Übersicht über alle Präsidentinnen und Präsidenten ist in der rechten Spalte zusammengestellt.

Einige Zahlen

  • Bereits viermal fand der Kirchentag in Berlin, Hamburg und Hannover statt. Auch in Stuttgart war er 2015 zum vierten Mal zu Gast.
  • Am meisten Gäste begrüßte der Ökumenische Kirchentag 2003 in Berlin mit über 190.000 Dauerteilnehmenden und der Kichentag 1989 in West-Berlin mit über 150.000 Besucherinnen und Besuchern.
  • Insgesamt nahmen an den 35 Kirchentagen von 1949 bis 2015 über 2,75 Millionen Menschen teil. Nach einer Talsohle in den 1960er-Jahren, die mit der Krise nach dem Stuttgarter Kirchentag 1969 ihre Höhe fand, stiegen die Teilnehmendenzahlen langsam wieder an.
  • Ende der 1980er-Jahre erlebte der Kirchentag einen regen Zulauf, regelmäßig strömten mehr als 100.000 Gäste zum Christentreffen.
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