Dürfen Nazis konfirmiert werden?

Im Konfirmandenunterricht lernen junge Menschen das Bekenntnis zum christlichen Glauben. Unter ihnen sind auch Rechtsextreme, die sich auf das Abendmahl vorbereiten. Ein Problem - nicht nur in den ostdeutschen Gemeinden der evangelischen Kirche. Der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reinhard Höppner hat das Thema deshalb auf die Agenda des Kirchentags gesetzt. In einem Planspiel diskutieren am Donnerstag überwiegend junge Leute die Frage: "Dürfen Nazis konfirmiert werden?".

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Der Raum füllt sich. Die überwiegend jungen Synodalen, die Mitglieder des evangelischen Parlaments, belegen ihre Plätze. Ein wichtiges Thema steht heute auf der Tagesordnung: Soll die Synode verbieten, dass Rechtsradikale konfirmiert werden. Die Sitzung ist nur Schein, die Teilnehmer sind keine echten Synodalen. Es ist ein Planspiel auf dem Kirchentag. Die Entscheidung ist aber realen Abstimmungen nachempfunden. Geleitet wird Reinhard Höppner. Seiner Einschätzung nach ist das Thema in evangelischen Gemeinden aktuell.

"Pfarrer sind keine Gesinnungsschnüffler"

Die Sitzung beginnt. Der Oberkirchenrat des Planspiels bringt den Antrag ein. „Jugendliche, die einer rechtsextremem Partei zuneigen, oder rechtsextremes Gedankengut verbreiten, dürfen nicht zur Konfirmation zugelassen werden“, steht in seinem Antrag. Dann wird es laut. Die rund 100 Planspiel-Synodalen bilden Ausschüsse in denen sie rege diskutieren. Im Anschluss bringen sie ihre Änderungsanträge ein – und stellen in kurzen Reden ihre Argumente den anderen Mitgliedern vor: Die Kirche habe einen Bildungsauftrag und dürfe sich den noch formbaren jungen Menschen nicht verschließen – sagen die einen. Pfarrer sollten zudem keine „Gesinnungsschnüffler“ sein, sondern Begleiter und Seelsorger. Die anderen sagen: Rechtsradikales Gedankengut habe nichts mit dem christlichen Menschenbild zu tun, und auch nicht mit den Prinzipien der christlichen Nächstenliebe. Doch gerade dazu müssten sich die jungen Menschen bei der Konfirmation bekennen. Zudem habe die Kirche Vorbildcharakter in der Gesellschaft.

Wie im echten Parlament werden die Vorträge lebendig begleitet: Von Raunen und Zwischenrufen, von Lachen und Klatschen. Am Ende stimmt die Synode ab. Die Entscheidung: Der Antrag wird angenommen, doch mit geändertem Text: „Jugendliche, die einer rechtsextremen Partei zuneigen, bedürfen verstärkter Zuwendung in Gespräch und Seelsorge. Es soll deutlich vermittelt werden, dass sich christlicher Glaube und rechtsextremes Gedankengut ausschließen." Doch dürfen nun rechtsradikale Jugendliche zur Konfirmation zugelassen werden? Höppner: „Das Plenum hat entschieden, diese Frage nicht zu entscheiden."

 

Florian, 16 Jahre

"Ich bin dafür, dass sie konfirmiert werden dürfen. Der Segen Gottes ist frei und darf von keiner politischen Meinung abhängig sein."

Theo, 17 Jahre

"Ich bin geteilter Meinung. Es gibt Menschen, die in guten Gesprächen zu einer anderen Gesinnung überzeugt werden können. Diese sollten konfirmiert werden dürfen. Und es gibt welche, die auch danach im Gegensatz zur christlichen Gemeinschaft stehen. Denen sollte es verboten werden."

Anja, 17 Jahre

"Ich bin dagegen, weil Konfirmation etwas mit Reife zu tun hat. Und wer rechtsextrem ist, stimmt nicht mit der kirchlichen Lehre überein. Sie können ihre Konfirmation nachholen, wenn sie erwachsen genug sind und wenn sie sich mit der Kirche identifizieren können."

Christine Wendel

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