Theologische und ökonomische Perspektiven auf Geld und Glück

Ein bisschen glücklicher sei die Welt wohl gewesen, als es noch Münzfernsprecher gab, und nicht so viele Handys. Das sagt zumindest Eckart von Hirschhausen auf dem Podium „Geld und Glück in jüdischer und in christlicher Perspektive“.

Als es noch Telfonzellen gab, habe jeder hin und wieder im Münzfach zehn Pfennig gefunden und sich darüber den restlichen Tag wie Bolle gefreut. Gut, man weiß ja, möchte man dagegen halten, das kleine Glück macht das Leben lebenswert. Aber zehn Pfennig sind heute fünf Cent – und das ist wirklich ein bisschen wenig. Doch der Kabarettist von Hirschhausen ist auch Mediziner und kann kontern. Psychologischen Untersuchungen zufolge verhalten sich Menschen nach so einem eher bescheidenen Fund plötzlich viermal hilfsbereiter als sonst. Sie bücken sich auf der Straße sogar mehrfach, wenn einem Fremden etwas herunterfällt.

Was macht wirklich glücklich?

Eckart von Hirschhausen hat diese Anekdote am Freitag auf der Bühne des Kulturpalastes erzählt, als der Fernsehjournalist Thomas Roth mit jüdischen und christlichen Gelehrten und Ökonomen darüber sprach, was uns wirklich glücklich macht – und ob Geld dabei behilflich sein kann. Im Großen und Ganzen hatten alle die gleiche Antwort. Und wenn man die ernst nimmt, sind wir gerade dabei, uns langfristig unglücklich zu machen.

In vielen Psalmen könne man lesen, sagte der Bielefelder Alttestamentler Frank Crüsemann, dass das Streben nach Reichtum kein Glück bringe, Weißheit aber zu Reichtum führe. Nathan Kaplan, der sich gerade in jüdischer Wirtschaftsethik promoviert, steuerte rabbinische Gedanken bei: Es sei die eigene Zufriedenheit, die reich mache. Eckart von Hirschhausen sekundierte: Wer 500 Euro mehr Gehalt bekommt, der freut sich. Wenn plötzlich die Kollegen 1.000 Euro mehr verdienen, ist die Freude wieder futsch, obwohl man immer noch mehr aufs Konto kriegt als zuvor.

Ausbalancierter Mittelweg

Überhaupt empfehlen die rabbinischen Quellen den gut ausbalancierten Mittelweg: Ohne einen gewissen materiellen Reichtum kann man viele Gebote gar nicht einhalten. Wer Shabbat feiern möchte, muss an den anderen Tagen mehr Geld verdienen. Wer aber nur ans Geldmachen denkt, dem geht der Sinn des Lebens womöglich ganz verloren.

Dass Beziehungen zu anderen Menschen glücklicher machen als Materielles, sagt auch der Ökonom. Der Schweizer Volkswirt Mathias Binswanger warnt: Das neue Auto verliere seinen Glanz schon nach dem ersten Kratzer. Wer mit anderen Menschen durch Dick und Dünn geht, profitiert von den Freundschaften womöglich ein Leben lang.

Wachstumsraten werden zur Last

Ein Plädoyer gegen das Autokaufen sollte das wohl nicht sein. Der Kauf eines neuen Gefährts macht Sinn, wenn das alte nicht mehr so richtig will. Steile Wachstumsraten erreicht die Industrie mit solchen Kunden aber nicht. Und deswegen müssen Zusatzreize her, sagt Mathias Binswanger. Das Auto werde zum Statussymbol, das möglichst immer besser, immer größer werden solle.
Wohin diese Logik die Finanzmärkte treibt, haben wir schon erlebt: Der Geldmarkt stützt dann nicht mehr die Realwirtschaft, sagt Binswanger. Plötzlich gebe der Geldmarkt die hohen Renditen vor, und die Realwirtschaft müsse sich nach der Wachstumslust strecken. Dass dabei die eine oder andere Marktblase entsteht und ab und zu auch platzt, ist in Binswangers Augen unausweichlich. Warum, möchte man sich da fragen, machen wir bei dieser Tretmühle noch mit?

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