Gottes Zeigefinger mahnt unter Plattenbauten

„Gott segne dich“ steht in großen Buchstaben auf dem schmalen Kirchturm in Dresden-Prohlis. Auf seiner Spitze trägt der „Zeigefinger Gottes“ ein vergoldetes Kreuz. Golden ist in der Plattenbausiedlung jedoch vieles nicht.

Zur evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Dresden-Prohlis gehören 2500 Christen aus Prohlis und Umgebung. Mittelpunkt des Gemeindelebens ist das 1982 eingeweihte Gemeindezentrum.

Zu DDR-Zeiten war es ein Privileg in der Dresdner Vorstadt wohnen zu dürfen. „Man freute sich über eine warme Wohnung ohne Kohleheizung. „Es war ein ausgesprochener Luxus“, sagt Gemeindeglied Hartmut Häckel. In den 90er Jahren lebten 22 000 Mieter in den Hochhäusern, 2002 waren es noch 14 000. Leerstände erzwangen den Abriss einiger Plattenbauten. Der Beginn der Neubausiedlung begann 1976, als die ersten Plattenbauten errichtet. wurden. Bald wohnten 48.000 Menschen in den zehn bis 16-geschossigen Wohnblocks. Erst durch Gespräche von Bischof Albrecht Schönherr und des DDR-Kirchenbundes mit dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker habe die evangelische Kirche ein Mehrzweckgebäude als Gemeindezentrum errichten dürfen. Mit zwei Einschränkungen: Finanzieren musste es die EKD mit West-Mark und Baumaterialien durften nur aus der DDR bezogen werden.

Die soziale Benachteiligung vieler Menschen in Prohlis ist eine Herausforderung für die Kirchengemeinde. Seit zehn Jahren bieten die Christen deshalb für sozial schwache Bewohner ein „Prohliser Frühstück“ gemeinsam mit der „Dresdner Tafel“ an. Beratungsgespräche, ein „Turmtreff“ und Nachmittage für die ältere Generation sind nur ein Teil des breiten Programms, mit dem die Kirchengemeinde auf die Nachbarn zugeht.

Ingrid Häckel und Regina Eckardt leiten Kinderbibeltage mit bis zu 40 Kindern. Als sie das Projekt für Schüler aus der 1. bis 6. Klasse der Schulen im Stadtteil starteten, gab es einige Eltern, die regelrecht Angst hatten, ihnen die Heranwachsenden anzuvertrauen. Die meisten hatten das Gemeindezentrum nie von innen gesehen“, sagt Ingrid Häckel. So ist der Kirchentag auch eine Gelegenheit, die Gemeinde nicht nur auswärtigen Gästen, sondern auch den Bewohnern des Stadtteils vorzustellen.

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