Theologin Tietz: Es gibt kein Christentum außerhalb der Kirche

Als „schlichtweg falsch“ hat das EKD-Ratsmitglied Christiane Tietz bei ihrem Hauptvortrag zum Thema „Welche Schätze birgt der Glauben?“ die Ansicht verworfen, es könne ein „Christentum außerhalb der Kirche“ geben. Die Mainzer Theologieprofessorin sagte, die Kirche könne gerade nicht als ein religiöses Dienstleistungsunternehmen verstanden werden, bei dem es um Kundenorientierung, Marktbeobachtung und Service gehe. Der Glaubende sei immer schon ein Teil der Kirche. Kennzeichen der Kirche seien das Evangelium und die Sakramente, die Schätze des Glaubens.  

Die in Mainz lehrende Systematikerin ging weiter der Frage nach, was „die Kirche“ für jede und jeden einzelnen zu „meiner Kirche“ mache. Die Reformation habe, so Tietz, nicht den Schluss gezogen, der Protestant solle ganz für sich Christ sein. Kirche sei nicht primär eine Institution, sondern sie bestehe zu allererst aus Menschen, erläuterte die Referentin in der Dresdner Lutherkirche und stellte fest: „Wir hier auf dem Kirchentag sind Kirche.“

Bei Kirchenaustritten geben Austretende oft die Kirchensteuer als Grund an. Die Kirche, so die allgemeine Einschätzung, sei nicht länger eine vermittelnde Heilsanstalt. Das direkte Gottesverhältnis könne man auch beim Spazierengehen sonntags im Wald oder bei klassischen Konzerten pflegen, meinten viele Menschen. Aber die christliche Gemeinschaft gebe es allein durch Jesus Christus, wie etwa auch Dietrich Bonhoeffer betont habe. Nach jüngsten Forschungen bedeute das deutsche Wort „Kirche“ soviel wie „zum Herrn gehörig“. Den christlichen Glauben gebe es nur, weil es auch Kirche gebe.

Die Referentin bejahte die Ordnungen der Kirchen und nannte Konsequenzen für die Einheit der Kirche: Grundlage der Ökumene – über alle Trennungen hinweg - könne nur die in Christus und durch den Heiligen Geist bereits vollendete Einheit sein. Der Evangelische Kirchentag sei für Glaubende eine Form, die Verbundenheit mit der Kirche in sichtbarer Weise zu leben. Für viele liege der Wert des Christentreffen gerade in der Erfahrung, aus Individualisierung und Vereinsamung herausgerissen zu werden. Die Kirche ist ein Schatz, von dem der Glaube lebt, so Tietz. Hier sei niemand mit seinen Anfragen und Zweifeln allein, und in der Zuwendung untereinander und zu Gott werde der Glaube gestärkt.

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