150 Jahre Rudolf Steiner – Debatte über Anthroposophie und christlicher Glaube

Zum 150. Geburtstag des Anthroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) hat der Deutsche Evangelische Kirchentag in seinem Zentrum „Weltanschauungen“ das Lebenswerk des umstrittenen Esoterikers und Philosophen debattiert.  Der Priester der anthroposophischen „Christengemeinschaft“, Frank Hörtreiter (Hannover) forderte in der Dresdner Versöhnungskirche eine Entmotionalisierung der Diskussion um Steiner. Vor allem sei seine Vereinigung keine Sekte und könne nicht mit Bewegungen wie „Universelles Leben“ und dessen Gründerin, der „Prophetin“ Gabriele Wittek verglichen werden. „Die Anthroposophie ist keine Religion, sie bemüht sich um Weltverständnis“, argumentierte der Vertreter der besonders durch die Waldorfpädagogik verbreiteten Weltsicht.

Der Direktor der Evangelischen Akademie in Baden, Jan Badewien (Karlsruhe), kritisierte das Wissenschaftsverständnis der Anthroposophen. Steiner habe mit seinem Begriff von Geisteswissenschaft eine „Ein-Mannwissenschaft“ begründet, die man schlichtweg glauben müsse. Während die Theologie eine Interpretationswissenschaft sei, habe Steiner seine Erkenntnisse „empfangen“.

Zwar habe er die „Christengemeinschaft“ nicht selbst gegründet, aber er dürfe doch als Religionsgründer gelten. Bedenklich bleibe, dass die Nachfolger Steiners dessen Lehre wie „schockgefroren“, also unverändert, weitergereicht hätten. Hörtreiter sah hingegen in der Verwirklichung anthroposophischer Ideen ihre Nützlichkeit bewiesen.    

Einig waren sich die Diskutanten auf Intervention des Moderators und Weltanschauungsbeauftragten der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht (Dresden) darin, dass im wissenschaftlichen Sinn Steiner einen Erkenntnisweg beschritten habe, der von anderen nachvollzogen werden könne, sodass man immerhin ein Kriterium für wissenschaftliches Vorgehen erfüllt sehen könne.     


Zur Erläuterung: Rudolf Steiner (1861-1925), österreichischer Esoteriker und Philosoph begründete die Anthroposophie, eine esoterische Weltanschauung, die an die Theosophie, das Rosenkreuzertum, die Gnosis sowie die idealistische Philosophie anschließt und zu den neumystischen Einheitskonzeptionen der Zeit um 1900 gezählt wird. Auf Grundlage dieser Lehre gab Steiner einflussreiche Anregungen für verschiedene Lebensbereiche, etwa der Pädagogik mit seinen „Waldorfschulen“,  der Kunst (Eurythmie, Anthroposophische Architektur), der anthroposophischen Medizin, der Religion mit der  „Christengemeinschaft“. Er verfasste auch Ausführungen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft.  (Quelle: Wikipedia)

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