Gottesdienst gibt Hilfestellung bei der Partnersuche

Im Alten Schlachthof in der Dresdner Neustadt sitzt ein dicker Mann auf der Bühne, nur mit einen Bund Karotten um die Hüften bekleidet. Es ist Adam, und Adam langweilt sich in seinem Paradies. Das höchste aller Gefühle ist für ihn ein Stock, mit dem er sich am Rücken kratzt. Mit dieser Theater-Einlage beschrieb der Golife-Gottesdienst am Freitag Mittag das Single-Dasein und wollte unter dem Motto „Singles aller Länder – Vereinigt Euch!“ Abhilfe schaffen.
Die Golife-Gottesdienste widmen sich stets einem speziellen Thema und wollen ein Angebot für alle schaffen, die sonst nicht in die Kirche gehen. Sie finden an einem säkularen Ort statt, um den Menschen Berührungsängste mit der Kirche zu nehmen. Bei den Veranstaltungen werden keine Bibel-Stellen rezitiert und nur bekannte Radio-Lieder gespielt, und zwar von der neunköpfigen „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, die bis hin zum letzten Lied „Everybody Needs Somebody to Love“ für Stimmung sorgte.


„Gucken Sie mal links und rechts!“
Die Moderatoren wiesen zu Beginn darauf hin, dass es immer mehr Single-Haushalte gebe, 47 Prozent seien es in Dresden. Überall fänden sich Kontaktanzeigen, vor allem im Internet. Doch nicht nur die Menschen kannten die Sehnsucht nach einem anderen Menschern, sagte der Dresdner Pfarrer Andres Horn daraufhin in seiner Predigt: „Auch Gott war ein Single. Er war cool und souverän, aber eben auch einsam. Also schuf er uns.“
Die Augen offen halten und nicht aufgeben – das empfahl Horn all jenen, die auf der Suche nach einem Partner sind: „Es könnte sein, dass Gott ihnen jemand über den Weg schickt. Vielleicht hier auf dem Kirchentag. Also gucken sie mal links und rechts neben sich. Wir sind alle fröstelnde Wesen in einer ziemlich kalten Zeit. Und wir brauchen jemanden, der einem die verkrampften Schultern massiert – alleine kriegen wir das nicht hin.“


Warum macht Liebe grausam?
Im anschließenden „Kreuzverhör“ konnten die Teilnehmer per Zettel ihre Fragen an ihn richten. „Warum macht Liebe oft so grausam?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Weil wir zu hohe Erwartungen haben und uns ärgern, dass sie enttäuscht werden“, antwortete Horn, „Wir haben Erwartungen, die gar nicht erfüllt werden können. Denn es handelt sich bei unserem Gegenüber um einen ganz normalen Menschen – einen Mensch wie Adam, der vorhin auf der Bühne war.“ Zum Abschied konnten sich die anwesenden Singles einen grünen Zweig zum Anstecken mitnehmen – als Erkennungsmerkmal, damit sich die Suchenden auf dem Kirchentag leichter finden können. Etwa ein Drittel der Besucher griff dankbar zu.

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