Krötke: Ostdeutscher Atheismus zeichnet sich durch Gleichgültigkeit aus

Als „erfolgreichste Hinterlassenschaft von 40 Jahren realsozialistischer Herrschaft“ hat der aus der ehemaligen DDR stammende Theologe Wolf Krötke (Berlin) ironisch den verbreiteten Atheismus in Ostdeutschland bezeichnet. Dieser habe kaum etwas mit dem teils aggressiven Atheismus westlicher Prägung zu tun. Er „zeichnet sich vielmehr durch eine gänzliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Gottesglauben aus“, betonte Krötke am Freitag beim „Zentrum Muslime und Christen“ auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden. Um hier Menschen neu für das Christentum zu begeistern, seien „viele persönliche Begegnungen“ nötig, „bei denen deutlich wird, wie man lebt, wenn man glaubt“. Zwingend  in säkularer Umgebung sei „das Eintreten für den Glauben außerhalb des kirchlichen Raums“.

In teils religionsfeindlicher Umgebung müssten alle Religionen an einem Strang ziehen, erklärte der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe (Erlangen). „Die Zukunft des Islam im öffentlichen Raum bestimmt auch die Zukunft des Christentums mit“, hob er hervor. „Wenn sich in Umfragen 58 Prozent der Deutschen dafür aussprechen, die religiösen Rechte von Muslimen in der Bundesrepublik zu beschneiden, dann entspricht das nicht dem Geist unserer Verfassung“ und sei auch nicht im Interesse der Christen.

Die verbreitete Einstellung, wonach Gott eher in der Natur als in der Kirche zu finden sei, kritisierte der Wissenschaftler als oberflächlich: „Die wenigsten der Leute, die so etwas sagen, wollen sich am Ende vom Oberförster beerdigen lassen“, sagte Rohe unter dem Gelächter des Publikums in der überfüllten Halle 5 des Dresdners Kongresszentrums.

Die muslimische Theologin Hamideh Mohagheghi (Hannover) trat dem Vorurteil entgegen, Glaube bedeute einen Verlust persönlicher Freiheit. „Im Gegenteil: Die Hingabe an Gott befreit den Menschen aus der Abhängigkeit von anderen Menschen und befähigt uns, frei zu handeln“, so die Theologin.

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