Käßmann: Gebete mit Taliban besser als Bombardierungen

Margot Käßmann hat in ihrer Bibelarbeit zu den Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu erneut das deutsche militärische Engagement in Afghanistan kritisiert. „Es gibt keinen gerechten Krieg. Es gibt nur einen gerechten Frieden. Und dieser erfordert Kreativität, Zeit, Engagement und Geld“, unterstrich die frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Theologin sprach in der Eisarena vor 5000 Menschen. 1500 weitere verfolgten die Bibelarbeit über eine Videoleinwand vor dem Gebäude. Scharf zurück wies Käßmann die Kritik des früheren Wehrbeauftragten Reinhold Robbe, der ihr geraten hatte, sich in ein Zelt zu setzen und mit den Taliban bei Kerzenlicht zu beten. „Offen gestanden finde ich, ist das eine wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von Tanklastwagen in Kundus."

Ob dies naiv sei? Jesus selbst sei „naiv“ gewesen, „wenn wir sein Leben mit den Maßstäben des Erfolgs messen“, betonte die Ex-Bischöfin. Die großflächigen Bombardierungen der Nato-Truppen in Libyen kritisierte: „Friede wird so nicht, das sehen wir."

Faszination Käßmann: Das sagen die Besucher

„Die Bibel ist ein wahres Glücksbuch“, so Käßmann weiter. Beim Thema Glückseligkeit gehe es Jesus aber nicht um unablässiges Lächeln, „sondern um ein Leben in Fülle“. Glück sei nach der Bergpredigt kein individueller Besitz, sondern bestehe darin, Teil einer Gemeinschaft, des Volkes Gottes zu sein.

Bei allen Problemen und Ängsten gebe es angesichts der Bergpredigt für Christen keinen Grund zum Aufgeben: „Diese Welt ist kein hoffnungsloser Ort“. Die Ahnung von Gottes zukünftiger Welt mache glücklich und stärke die Widerstandskraft gegen Unrecht und Gewalt. „Christen müssen keine Trauerklöße sein, selbst Protestanten nicht!“ Das Evangelium sei geradezu eine Anleitung zum Glücklichsein, „weil wir einen zweiten Blick auf die Wirklichkeit haben“, betonte Käßmann unter starkem Beifall.

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