Wie Posaunenstöße durch die Jahrtausende

Die Posaune stehtSchulter an Schulter mit einem Horn, zu ihren Füßen liegt eine Trompete: Heute Morgen waren es nicht nur Menschen, die die Straßenbahnen Richtung Rudolf-Harbig-Stadion füllten. Grund war eine besonders musikalische Bibelarbeit für Blechbläser.

Zu Hunderten strömen sie auf die Ränge, auf denen sonst Fußballfans sitzen. Krach machen sie genau gleich viel, nur sind sie weitaus kultivierter dabei: Dirigent Siegfried Mehlhorn, Landesposaunenwart, und Landesposaunenpfarrer Jochen Hahn werden nicht mit lautem Gejohle begrüßt, sondern mit einem imposanten G-Dur-Akkord. Mehlhorn hebt die Hände zum ersten Lied: „Danke für diesen guten Morgen“ schallt es aus rund 2000 Trichtern.

An den Mundstücken finden sich vom kleinen Mädchen bis zum alten Mann Christen allen Alters und Geschlechts. Jonathan Schlegel  (11) ist aus Zwenkau angereist. Ehe er sich mit seiner Trompete in den Chor aus glänzendem Blech einreiht, verrät er, was er an dieser Form der Bibelarbeit so großartig findet.

Rüdiger Lux, Alttestamentler aus Leipzig, hat die inhaltliche Gestaltung übernommen. Der Stärke von Bläsertönen setzt er die Kraft biblischer Worte entgegen: der Seligpreisungen und der zehn Gebote. Vor den Musikern zeichnet er eine Welt ohne diese Worte, die „wie Posaunenstöße durch die Jahrtausende klingen“. Es wäre eine Welt ohne Hoffnung, so Lux. Er spielt selbst Waldhorn, ist mit Posaunenchören groß geworden. Diese Verbindung war zwar den Organisatoren nicht bewusst, als sie ihn anfragten, die Bibelarbeit zu übernehmen. Sie veranlasste ihn aber dazu, zuzustimmen. Entsprechend wertvoll findet er auch eine solche Form der Bibelarbeit.

Landesposaunenpfarrer Jochen Hahn hat die Bibelarbeit mitorganisiert. Es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art, die er leitet - schon seine Amtsbezeichnung verrät, dass er öfter mit musikalischen Andachten dieser Art zu tun hat.

Freilich stammt auch Hahn aus dem Metier: Er spielt Trompete. Auch auf dem Kirchentag, beim Abschlussgottesdienst, für den direkt im Anschluss an die Bibelarbeit geprobt wird. 6000 Bläser haben sich dafür angemeldet, er ist einer von ihnen. Dann muss er nicht, wie heute, nur zuhören: „Ich spiele gern mit. Am wohlsten fühle ich mich hinter dem Pult.“

Bläser bei der Probe für den Schlussgottesdienst

Mechthild Herzog und Valentina-Anna Rätz

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