Ellen Ueberschär: "Der Kirchentag ist meine Leidenschaft"

Ziemlich entspannt sitzt sie da, nippt an ihrer Teetasse und genießt den Blick über den Neumarkt. Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Kirchentages, ist eine der entscheidenden Figuren des Protestantentreffens an der Elbe. „Viele waren im Vorfeld unsicher, wie das werden würde, drei Kirchentage in drei Jahren, sagt die Theologin. „Und jetzt merken wir: Bremen war toll, München bewegend – und Dresden schlägt alles!“

Etwa 120.000 Dauerteilnehmer kommen nach Sachsen, beinahe jeder Dritte davon aus der Region, in der die Christen in der Minderheit sind. „Wir wollen die Menschen zum Nachdenken bringen über das, was sie glauben und warum sie das glauben“, so Ueberschär. „Wir wollen helfen, dass die Christen sprachfähig werden und verständlich von dem erzählen können, was sie trägt.“

Die Voraussetzungen dafür seien gut, sagt die Generalsekretärin und spricht vom Kirchentag der kurzen Wege und von guten Erfahrungen mit den sächsischen Gastgebern. Persönlich freut sie sich vor allem auf das „Geistliche Zentrum“ im Festspielhaus Hellerau, wo es um „Kunst und Spiritualität“ gehen wird. „Am Samstag können dort Teilnehmer in kleinen Gruppen ein Thema wählen, das in einem abgeschlossenen Raum bearbeitet wird - ohne zu wissen, wer hinter der Tür ihr Gesprächspartner sein wird“, schwärmt Ueberschär. „Vielleicht ist es Margot Käßmann, vielleicht eine Tänzerin oder Anselm Grün?“

Von Ost-Berlin nach Fulda zum Kirchentag

Ellen Ueberschär wurde 1967 in Ost-Berlin geboren. Ein Medizin-Studium verwehrten ihr die Machthaber in der DDR, sie begann 1988 das Studium der Evangelischen Theologie - in Berlin und setzte es später auch in Heidelberg fort. Bis 1997 war Ueberschär Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und arbeitete bis 2001 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg. Ein Jahr später wurde sie promoviert.

Nach einer Zwischenstation an der Evangelischen Akademie in Loccum wurde Ellen Ueberschär 2006 Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Fulda. „Der Kirchentag ist meine Leidenschaft“, bekennt sie – eine Leidenschaft, die ihr auch ihr Ehemann ermöglicht, der sich derzeit verstärkt um die gemeinsame Tochter kümmert. „Mein Mann unterstützt mich nach Strich und Faden.“

Ein Buch über Männer und Frauen in der Kirche will sie nach der Rückkehr aus Dresden schreiben. Davor liegen fünf Tage Kirchentag – und eine Hoffnung: „Von Dresden soll das Signal ausgehen, dass der Glaube in dieser Stadt gewohnt hat und weiter wohnt."

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