Das Dresdner Plakat zeigt zwei Hände, die in der Silhouette zusammen ein Herz bilden. Der Hintergrund ist pink.

Dresden 2011

33. Deutscher Evangelischer Kirchentag
3. bis 7. Juni 2011

… da wird auch dein Herz sein

(Matthäus 6,21)

Der Dresdner Kirchentag war der erst der zweite Kirchentag in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung. 118.000 Besucherinnen und Besucher kamen ins Herz Europas an die Elbe.

Thematisch dominierte die Reaktor-Katastrophe von Fukushima die Debatten beim Kirchentag. Kurzfristig nahmen die Organisatoren Veranstaltungen zum Thema Energiewende mit ins Programm auf. Darüber hinaus kristallisierte sich das Thema Krieg und Frieden als viel diskutiert heraus. Margot Käßmann polarisierte mit ihrer Aussage, mit den Taliban zu beten sei besser, als sie zu bombardieren.

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt resümierte in ihrer Bilanz: "Christlich verankerte 'Mutbürgerinnen und Mutbürger' haben in den zurückliegenden drei Tagen ihren Willen zur Mitgestaltung von Politik und Gesellschaft zum Ausdruck gebracht. Die Menschen drängen auf eine Demokratie mit mehr und echter Beteiligung." Die Präsidenten betonte außerdem, dass beispielsweise die große Aufmerksamkeit der Gäste für die Bibelarbeiten "dichte spirituelle Momente" hervorgerufen habe. Die drei Schwerpunkte des Dresdner Kirchentages lauteten Theologie und Glaube, Gesellschaft und Politik sowie Welt und Umwelt.

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Statistiken

Der Kirchentag 2011 lockte mehr als 118.000 Dauerteilnehmende nach Dresden, so viele waren es bei einem Deutschen Evangelischen Kirchentag seit 1995 in Hamburg nicht mehr gewesen. Die Organisatoren zeigten sich sehr zufrieden mit den Zahlen, darüber hinaus wurden knapp 33.000 Tageskarten verkauft. Der Abend der Begegnung zu Beginn lockte gar 300.000 Menschen an.

Insgesamt kamen 5.640 ausländische Gäste aus 65 Nationen. Am stärksten vertreten waren Ungarn, die Slowakische Republik, die Schweiz, Polen und Nigeria. 60 Prozent der Dauerteilnehmenden waren Frauen und 40 Prozent Männer. 38 Prozent der Teilnehmenden war unter 29 Jahren, dementsprechend war auch die Gruppe der Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden mit 37 Prozent am stärksten vertreten. Die gastgebende sächsische Landeskirche stellte mit 30.000 die meisten der Teilnehmenden. Von auswärts kamen mit 13.000 die meisten aus dem Rheinland. Knapp 37 Prozent der Teilnehmenden schlief in Gemeinschaftsquartieren in Schulen, über 11.000 in Privatquartieren.

Über 40.000 Mitwirkende brachten sich als Künstlerinnen und Künstler, Ausstellende beim Markt der Möglichkeiten, Referenten, Bläser oder in einer anderen Funktion mit ein. Auch in Dresden war wieder eine große Zahl an freiwilligen Helfenden dabei. Insgesamt sind zu dem Organisationsteam 14.000 Menschen zu zählen, davon knapp 130 hauptamtliche Kirchentags-Mitarbeiter.

Insgesamt stand dem Deutschen Evangelischen Kirchentag ein Haushaltsvolumen von 14,4 Millionen Euro zur Verfügung. Diese teilen sich auf das Land Sachsen (5,5 Millionen), die Stadt Dresden (Knapp 2 Millionen), den Bund (0,4 Millionen), die Landeskirche (1 Million) sowie 5,5 Millionen durch Teilnehmendenbeiträge, Sponsoring und Merchandising.

Bibelarbeiten

Donnerstag: Matthäus 5,1—12, Die Seligpreisungen
Freitag: 5. Buch Mose 30,6—20, Das Wort - ganz nahe bei dir
Samstag: Matthäus 6,19—34, Vom Schätzesammeln und Sorgen

Bodo Wartke - Da wird auch dein Herz sein

Kirchentagssong 2013

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Pressestimmen

Wider Käßmanns Polemik: Bomben und beten - ja, das geht!

Spiegel Online, 3. Juni 2011, Matthias Matussek
"Wie auf allen Kirchentagen zuvor geht es auch diesmal in Dresden darum, eine bessere Welt zu erträumen. [...] Dafür ist Margot Käßmann Superstar zuständig, denn ein bisschen Regression darf sein. Wie sagte der 'Rheinische Merkur' in seinem witzigen Glossar zum Kirchentag so nett: Ob Jesus kommt, ist zweifelhaft, aber die Pastorin ist auf alle Fälle dabei. Margot Käßmanns Gabe besteht darin, aus den komplizierten politischen Gemengelagen handliches und leicht verdauliches theologisches Mokkagebäck zu formen. Jung und alt und meist weiblich knabbern und juchzen und schmachten sie sich dann ins selig Ungefähre. [...] Bonhoeffer ist zu dem gleichen Schluss gekommen wie vor ihm Augustinus oder Thomas von Aquin. Es gibt den gerechten Krieg, und es gibt die moralische Rechtfertigung des Tyrannenmordes. Dass de Maizière ausgerechnet an dem Tag, an dem ein weiterer Bundeswehrtrupp in einen Taliban-Hinterhalt gelockt und einer von den Soldaten getötet wurde, zu seiner christlichen Erklärung der Feindesliebe genötigt wurde, hat er der politikerscheltenden Pastorin Käßmann zu verdanken. Er musste auf sie reagieren. Er hat es anständig und seriös getan, eben als Christ mit Verantwortung.
Margot Käßmanns indes setzte auf Demagogie. Sie glänzt mit frommem Augenaufschlag vor Tausenden. Sie führte aus, es sei besser zu beten, als Tanklastwagen zu bombardieren. Ach ja? Alles ist besser!"

Vom Schatz zu dem wirklich Wichtigen

MDR, 5. Juni 2011
"Wem etwas wirklich wichtig ist, der setzt sich mit ganzem Herzen dafür ein. Eine solche Herzensangelegenheit sollte auch die Zukunft sein, forderte Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Für die Grünen-Politikerin heißt das, sich einmischen und Demokratie gestalten und für ökologische und soziale Gerechtigkeit eintreten.
Bodo Wartke wirbt im Kirchentagslied für Werte wie Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie, Nächstenliebe, Mitgefühl und Solidarität. Der Liedermacher gibt zu bedenken, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, verspricht aber auch, dass der, der seinem Herzen folgt, wirklich reich wird: an Seligkeit, Glück, Selbstzufriedenheit und Ausgeglichenheit."

Großer Dank an die Dresdner

Der Sonntag, 12. Juni 2011, Harald Krille
"Typisch Kirchentag eben. Nur diesmal alles viel schöner - das wunderbare Wetter, die bezaubernde Stadt und die sächsische Gemütlichkeit! - und viel größer als in vorangegangenen Jahren. 18000 Dauerteilnehmer konnte das Protestantentreffen schon lange nicht mehr vermelden. Am Eröffnungsabend bummelten geschätzte 300000 Besucher zwischen Altmarkt und Albertplatz. Der Kirchentag ist mit Dresden im Osten der Republik angekommen. Rund ein Drittel der Teilnehmer kamen aus der Region zwischen Eisenach und Görlitz, Erzgebirge und Berlin. Das war 1997 in Leipzig noch nicht annähernd der Fall. [...]
Ob der Kirchentag allerdings die säkulare Mehrheit der Dresdner zur erhofften Auseinandersetzung mit dem Glauben angeregt hat, darf bezweifelt werden. Die Resonanz auf Gesprächsangebote wie die Kirchenbänke inder Innenstadtwar jedenfalls sehr verhalten. [...]
Andererseits: Dass ein deutscher Verteidigungsminister in der Diskussion mit dem Ratsvorsitzenden der EKD das Pro und Kontra der Auslandseinsätze der Bundeswehr diskutieren konnte, ohne wie einer seiner SPD-Amtsvorgänger, Hans Apel, in der Nachrüstungsdebatte 1981 in Hamburg mit Tomaten beworfen zu werden, gehörte sicher zu den Sternsrunden der Dresdner Tage."

Grüner glauben

Christ & Welt, 9. Juni 2011, Wolfgang Thielmann
"Auf Kirchentagen werden keine Schlachten mehr geschlagen, entscheidende schon gar nicht. Kein Publikum mischt sich mehr ein, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt, wie Politik geht. Die Teilnehmerwollen gestärkt werden im Glauben an Gott, an das Gute und an die Energiewende. Und Beifall spenden. Die Führung des Kirchentags hat längst verstanden und liefert, was das Publikum liebt. Nur sagt sie - noch - das Gegenteil. 'Einmischen ist die Botschaft dieses Kirchentags', meinte Präsidentin Katrin Göring-Eckardt. Doch dazu war schon die Gelegenheit kaum gegeben, und die Teilnehmer hatten zudem wenig Lust darauf. Göring-Eckardt wollte in Dresden einen politischen Kirchentag erlebt haben. Doch kein Kirchentag war unpolitischer als Dresden. 120 000 Teilnehmer erlebten ein Festival mit Stars, Sternchen und Gurus, eine Glaubenskonferenz mit Promigucken. Und mit viel Pausen in einer der schönsten Städte der Republik. Dresden verlockte Kirchentagsbesucher in Scharen zu Auszeiten in der Altstadt, an der Frauenkirche, an den Brühischen Terrassen und rings um das Canaletto-Ensemble an der Elbe. Geh aus, mein Herz, und suche Freud."

Kein christlicher Fremdkörper im Atheistenland

Die Zeit, 2. Juni 2011, Evelyn Finger
"Man muss nicht fromm und nicht sentimental sein, um die Erhabenheit mancher Kirchentagsmomente zu empfinden. Die extrem frühe Andacht am Himmelfahrtsmorgen war so ein Moment, der allen Anwesenden plötzlich die Gewissheit vermittelte, dass diese schöne Welt einen Sinn haben muss, und dass die Grenzen der menschlichen Existenz weit genug gesteckt sind für mehr als eine Entgrenzungserfahrung. 'Wir wissen nicht, wo Gott wohnt', spricht der Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann ins Blaue, 'denn wenn die Bibel sagt: Himmel, dann meint sie einen Ort jenseits von Raum und Zeit, einen Ort der Vollkommenheit.' [...]
Aber das Eindrucksvollste am Kirchentag ist eben doch der einzelne Moment. Wenn einem eine fremde Dame, mit der man in der Warteschlange am Eisstand ein bisschen geplaudert hat, zum Abschied zuruft 'Seien Sie gesegnet!' Oder wenn auf dem Altmarkt Sachsens berühmteste Popmusiker, die Prinzen, nächtens nochmal zeigen, dass sie einst Thomanerchorknaben waren, und acapella einen Choral singen. Oder wenn bei Friedrich Schorlemmers 'Bibelarbeit', so nennen sie auf dem Kirchentag bescheiden ihre öffentlichen exegetischen Übungen, nicht nur das Audimax der Technischen Universität überfüllt ist, sondern auch in den zweiten Hörsaal mit der Live-Übertragungs-Leinwand kein Reinkommen mehr ist. [...]
Schorlemmer bearbeitet hier die Seligpreisungen, und wer wissen will, was Luther mit einem 'trefflich Wort' meinte, der lernt es bei dem widerständigen Wittenberger Theologen noch immer am besten. Er spricht die biblischen Seligpreisungen als schöne Widerstandsätze: 'Was richtig, wichtig und nötig ist, macht auch glücklich.' Oder: 'Wir müssen entdecken, wie gut es tut, wenn man Gutes tut.' Oder: 'Dass Schwaches Starkes besiegt, wer wüste das nicht. Und doch, wer handelt danach?' Schorlemmer predigt mit Luther und Marx und Laotse für die Sanftmut und gegen das Recht des Stärkeren. Er kann die Menschenrechte begründen, wie man es sich von so manchem Politiker wünschen würde. Er hat das Charisma und den Verstand, das politische Wissen und die rhetorische Begabung, die ihn zum Kirchenoberhaupt befähigen würden, wenn die Protestanten den Papst nicht abgeschafft hätten. Gottlob. Schade nur, dass ein Schorlemmer nicht auf der ganz großen EKD-Bühne so einen Abschlusssatz spricht wie im Hörsaal: 'Lasst Euch einberufen in den Frieden Gottes, der unseren Unfrieden gnädig umhüllt.'"

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