Statement des Präsidenten

Vertrauen als aktivierende Kraft

Hans Leyendecker, Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, herzlich willkommen in Dortmund, herzlich willkommen in unserer Geschäftsstelle und vor allem: Herzlich willkommen zu der Programm-Pressekonferenz 100 Tage vor Beginn des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Der Kirchentag hat mit über 2.000 Veranstaltungen ein unglaublich breites Programm, aber so vielfältig es ist, es läuft nicht auseinander! Es wird zusammengehalten von unserer Losung, dem Vertrauen. Jede Veranstaltung hat etwas mit diesem Vertrauen zu tun. Mit dem Vertrauen auf Gott, mit der Frage nach dem Vertrauen in der Kirche, in Gesellschaft und Politik und mit dem Vertrauen in unsere Zukunft. Und damit werden wir auch Zeichen setzen gegen die Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft. Zeichen gegen die Verrohung der Sprache, Zeichen gegen Ressentiments und Fremdenfeindlichkeit.

Vier Bundespräsidenten auf dem Kirchentag

Wenn es um Vertrauen in Politik und Gesellschaft geht, möchte ich zuerst über vier Männer sprechen, die Vertrauen ausstrahlen und in ihrem Amt unserem Land Orientierung gegeben haben bzw. es noch tun. Ich freue mich sehr, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Hauptvortrag zum Thema „Zukunftsvertrauen in der digitalen Moderne“ kommen wird. Joachim Gauck wird unter anderem mit der Schriftstellerin Thea Dorn über die „German Angst“ sprechen. Christian Wulff ist auf einem Podium zur Frage „Nicht nur der Islam gehört zu Deutschland – Wie viel Religion verträgt unsere Gesellschaft?“ und Horst Köhler spricht unter anderem mit Entwicklungsminister Gerd Müller zum aktuellen Verhältnis zwischen Europa und Afrika.
Zum ersten Mal sind alle lebenden ehemaligen und der amtierende Bundespräsident auf einem Kirchentag. Bundespräsidenten geben sozusagen von Berufs wegen Orientierung, sind überparteilich für die Menschen da und treten für Veränderungen zum Guten ein. Deshalb sind sie beim Kirchentag gerade richtig und wir freuen uns und fühlen uns geehrt, dass sie alle nach Dortmund kommen.

Unterwegs in einer sich wandelnden Stadt

Aber wir gehen auch dahin wo es schwierig ist. Viele Veranstaltungen werden in der Dortmunder Nordstadt stattfinden, wo Menschen aus über hundert Nationen leben. Da gibt es Probleme und manche Ecke in der Nordstadt ist auch nicht schön, aber gäbe es einen besseren Platz, um auf einem Kirchentag über die Realität im Lande zu reden?
Hier pulsiert auch das Zentrum Jugend, das mit einem Container.Kiez.Kirche Experimente über neue Nachbarschaften ausprobiert. Überhaupt setzen wir auf die Jugend. Über 30 Prozent der Kirchentagsbesucher sind jünger als 30 Jahre. Damit ist der Kirchentag jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt. Natürlich wird die Frage nach sozialer Gerechtigkeit auch an zahlreichen Orten eine Rolle spielen, so etwa auch bei einem Podium zu der Frage, wie sich soziale Ungleichheit auf die Gesundheit auswirkt, bei dem unter anderem Eckart von Hirschhausen mitwirkt.

Zum Leben in der Stadt gehört aber nicht nur der soziale Zusammenhalt, sondern auch die Nachhaltigkeit, die die Stadt der Zukunft bestimmen wird. Dortmunder Umweltinitiativen gehen mit Oberbürgermeister Sierau auf Entdeckungstour. Und die junge Klima-Aktivistin Luisa-Marie Neubauer wird dabei sein, und uns Ältere daran erinnern, dass unser Umgang mit dem Klima heute die Zukunft bestimmen wird.

Christ*innen sind Fachleute für gute Nachrichten

Der Kirchentag wird sich auch dem Problem stellen, dass man meinen könnte, es gäbe nur noch Probleme auf der Welt! Seit Jahren malen Schwarzseher*innen ein Bild, das nicht der Wirklichkeit entspricht. Sie schwadronieren über Niedergang und verbreiten Untergangsszenarien. Ihnen werden wir etwas entgegenstellen: den Ort der guten Nachrichten, in einem Pavillon an St. Petri. Dort wird zu sehen sein, was – anders als es die Niedergangsprophet*innen sagen – in den letzten Jahren besser geworden ist auf der Welt. Auch Einzelne werden von ihren Geschichten und gelungenen Projekten erzählen. Und jede*r Besucher*in und Dortmunder*in wird die Möglichkeit haben dort gute Nachrichten zu teilen. Es gibt sie, die vielen guten Nachrichten. Als Christ*innen, mit dem Evangelium, der guten Nachricht schlechthin, im Rücken sind wir quasi Fachleute für gute Nachrichten. Die wollen wir auch zu Gehör bringen.

Dieser Kirchentag in Dortmund ist auch eine Einladung an Zweifler*innen. Was für ein Vertrauen habt ihr? Erzählt uns von Eurem Vertrauen, Euren Zweifeln, wir erzählen Euch von unseren. Ich bin überzeugt, da gibt es viel zu entdecken.

Vertrauen in Politik und Gesellschaft

Und natürlich wird es viele Begegnungen geben, bei denen wir in Diskussion Erkenntnisse gewinnen und Positionen schärfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird der Friedensnobelpreisträgerin und ehemaligen Präsidentin von Liberia Ellen Johnson Sirleaf begegnen. Und Außenminister Heiko Maas wird mit Denis Mukwege, dem Friedensnobelpreisträger aus dem Kongo, und der Ordensschwester Teresa Forcades über den Schutz von Frauen und Kindern in bewaffneten Konflikten reden.
Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock wird einen Hauptvortrag zum Thema Künstliche Intelligenz „Schafft der Mensch sich ab?“ halten. Katrin Göring-Eckardt wird mit Silvan Wagenknecht dem Initiator des „Pulse of Europe“, auf einem Podium sein, auf dem es um Zukunftsvisionen für Europa gehen wird. In diesen Tagen in denen immer mehr Mauern zwischen Lebenswelten hochgezogen werden, freue ich mich besonders, dass die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Markus Söder, ein katholischer Grüner und ein evangelischer Christsozialer zur Frage „Was ist konservativ?“ diskutieren. Und lassen Sie mich noch kurz etwas zur AfD sagen. Vertreter dieser Partei sind diesmal nicht auf Podien eingeladen. Natürlich sind alle bei den öffentlichen Gottesdiensten und zur Teilnahme eingeladen. Diskurs bleibt wichtig. Auf diesem Kirchentag wollen wir aber nicht den Funktionär*innen Raum geben, sondern mit Sympathisant*innen reden. Etwa auf einem Barcamp, auf dem Menschen verschiedenster Auffassungen ins Gespräch kommen sollen.

Hinter die diffusen Ängste schauen

Wir leben in einer fragmentierten Gesellschaft, bei einer sich erhitzenden politischen Weltlage, informiert von teilweise fragwürdigen Informationsangeboten, wenn wir nicht ohnehin schon in unseren eigenen Echokammern gefangen sind. Umso wichtiger ist es einen scharfen Blick hinter die diffusen Ängste zu werfen. So bin ich froh, dass dieses Mal viele Journalisten-Kolleg*innen mit ihrem analytischen Auge auf dem Kirchentag sein werden. Dunya Hayali, Anja Reschke, Giovanni di Lorenzo, Ranga Yogeshwar, Georg Mascolo und Jörg Thadeusz, werden in Dortmund zu hören sein. Heribert Prantl wird auf einem Hauptpodium zum Thema „Ängstigt Euch nicht“ eine Ermutigungsrede halten.

Das ist gut! Denn manchmal lassen einen irrationale Ängste ja vor einem Aufbruch zurückschrecken, aber unser Vertrauen auf Gott, lässt uns nicht auf diese Stimme der Verzagtheit hören. So wird dieser Kirchentag in Dortmund: Wir brechen auf, im Vertrauen auf Gott, wir nehmen Positionsbestimmungen vor, und wir begegnen Menschen jenseits unserer Komfort-Zone.
Ich sage Ihnen, ein bisschen nervös bin ich schon, wie dieses alles bewältigt werden kann. Am Ende, sind wir damit auch auf Gottes Segen angewiesen. Aber so wird es schon gut werden.

Foto: Silvia Kriens

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