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Datum:
16. Juni 2020

Kirchentag in Zeiten von Corona


schaut hin, was möglich ist!


Eine Bestandsaufnahme in Vertrauen auf Gott - von Generalsekretärin Dr. Julia Helmke

Viele Artikel zu COVID-19 haben in den vergangenen Wochen mit einem Vorbehalt begonnen: „Wenn Sie das lesen, kann es sein, dass die Situation eine andere ist als in dem Moment, in dem ich dies schreibe…“ Das gilt auch für diese Zeilen. Zugleich kann es – noch nicht – darum gehen, die Gegenwart zu bewerten. Vielmehr werfe ich aus der Perspektive des Kirchentages einen Blick zurück auf die Monate seit März 2020 und weiter nach vorne bis zum Mai 2021.

Beständig gilt: Solch gesamt-gesellschaftliche Beschränkungen und Veränderungen gab es im kulturellen Gedächtnis der Moderne so in Friedenszeiten noch nicht. Selten waren die Ungewissheit und Unsicherheit, was in Zukunft sein wird, so deutlich und mächtig. Für die Zivilgesellschaft, für uns als Christenmenschen und für das jeweils persönliche Leben.

Blick zurück

Am letzten Februarwochenende 2020 hatten sich in Fulda fast alle leitenden Gremien des Kirchentages versammelt. Die Präsidialversammlung tagte, mit vielen Mitgliedern aus der Konferenz der Landesauschüsse. Im Anschluss traf sich das Präsidium unter Vorsitz des Präsidiumsvorstandes und im Beisein des hauptamtlichen Kollegiums. „Zukunft des Kirchentages“ hieß das Thema. Der COVID-19 Virus war ebenfalls (seit längerem) präsent. Jedoch eher beiläufig und nicht in der drängenden Relevanz, die sich dann mit steigernder Geschwindigkeit Tag für Tag veränderte. Und mit den Bildern aus China und Italien deutlich machte, was eine solche Pandemie für Europa und die Welt bedeuten kann.

Ab 12. März haben wir dann entschieden auf absehbare Zeit keine Präsenz-Sitzungen mehr abzuhalten. Am 17. März haben wir in Fulda, zeitgleich auch in der ÖKT-Geschäftsstelle in Frankfurt am Main, allen Mitarbeiter*innen das temporäre Homeoffice empfohlen. Zurzeit (Mitte Juni) arbeiten noch viele im Homeoffice bzw. stellen sich den Corona-Auflagen im Büro.

Kirchentag im digitalen Raum

Kirchentag lebt von Begegnung, kreativem Austausch und Gemeinschaft. Das ist eines der Kennzeichen, weshalb Menschen sich für den Kirchentag engagieren. Und wie funktioniert dies alles nun rein digital? Sehr dankbar bin ich, dass wir durch die beiden Standorte (Zentrales Büro in Fulda und Geschäftsstelle) seit einigen Jahren begonnen haben viel in den digitalen Raum zu verlegen, sodass Menschen von überall her auf Dokumente zugreifen und arbeiten können. Dass wir früh mit Videokonferenzen begonnen haben und dies als Kommunikationsform bereits vielfach eingeübt war.

So sind wir auch das Wagnis eingegangen, alle Projektkommissionen (selbst die Auswahl der neuen Lieder für das Ökumenische Liederbuch für Frankfurt) virtuell stattfinden zu lassen. Zusätzliche methodische Schulungen und regelmäßige „offene Kaffeestunden“ als auch digitale wöchentliche Andachten haben dazu beigetragen, dass wir uns weiter verbunden und arbeitsfähig fühl(t)en. Was für ein Geschenk.

Dringlichkeit der Themen des Ökumenischen Kirchentages

Zugleich: Jede*r wird beim Lesen dieser Zeilen seine*ihre eigenen Erfahrungen der letzten Monate hier eintragen. Das Auf und Ab. Auch die große Unterschiedlichkeit an Belastung in dieser herausfordernden Zeit. Es ist bei weitem noch nicht absehbar, was sich alles verändert hat und noch verändern wird. Für Kultur, Wirtschaft und Politik, für die Jüngsten und die Älteren in der Gesellschaft, für das, was Mitte und Ränder genannt wird.

Dies sind genau die Schwerpunkte des 3. Ökumenischen Kirchentages, die nun neue Dringlichkeit erfahren: Christsein im 21.Jahrhundert, das Wie und Was von Zusammenleben, die Bewahrung der Schöpfung sowie Wirtschaft, Macht und internationale Verantwortung.

Blick nach vorn

Damit nun ein Blick nach vorne: Wie kann ein Ökumenischer Kirchentag unter Corona-Bedingungen aussehen? Diese Frage stellen wir uns gemeinsam mit unserem Partner für den ÖKT, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, im Gespräch mit einladender Landeskirche und Bistum, Stadt und Land und den vielen, die den ÖKT vor Ort vorbereiten. Tun dies intensiv und durchaus auch kontrovers. Wir prüfen gemeinsam, was möglich ist. Im Auf und Ab von Sorge und Mut. Getragen von Zuversicht und Demut. Mit dem Wunsch alle mitzunehmen und neue Visionen für einen veränderten Ökumenischen Kirchentag zu entwickeln.

Kein „Ganz oder gar nicht“

Wenn ich mit Mutlosigkeit beginne: Wie soll das gehen, wenn wir noch nicht wissen, wann ein Impfstoff gefunden wird? Wie soll man sich das konkret mit Abstandsregeln und Hygieneschutz vorstellen?

Kirchentag ist Singen in der überfüllten Straßenbahn. Anstehen vor Hallen und neue Freundschaften schließen. Kerzenmeer dicht an dicht und ohne Platzangst. Tausende Bläser*innen beim Großgottesdienst und dazu das gemeinsame Übernachten in Schulen oder privat. Da kann man kleinmütig werden. Es gibt eine Verantwortung für die, die kommen und die, die vorbereiten und mitwirken. Also: Ganz oder gar nicht? Nein.

Was möglich werden kann und soll

Der Ökumenische Kirchentag steht für das, was möglich werden kann und soll. Von manchen Bildern werden wir uns verabschieden müssen, von anderen nicht und neue werden entstehen. Verbunden mit der Verheißung: Es ist gut, es ist notwendig zu feiern, DASS Austausch, Begegnung, Gemeinschaft stattfinden kann und wird. Das WIE wird sich entwickeln.

Wir sind damit nicht alleine: Kirchentag und Ökumenischer Kirchentag sind eine einzigartige Großveranstaltung. Doch gibt es andere, die mit ähnlichen Fragen umgehen (müssen), so wie die Frankfurter Buchmesse, die im Herbst 2020 aller Voraussicht nach stattfindet, das zeitgleich mit dem ÖKT stattfindende Turnfest in Leipzig, der große Hessentag in Fulda Ende Mai 2021.

Das Leitwort (Mk 6,38) weist uns den Weg

Schaut hin, was möglich ist. Unter Corona-Bedingungen. Im Wissen um die Sehnsucht und die geistliche wie zivil-gesellschaftliche Notwendigkeit nach Begegnung und Austausch.

Schaut hin und seid wachsam. Was verändert sich in der Gesellschaft durch, mit und nach Corona?

Schaut hin, auf Frankfurt. Schaut hin auf die Gemeinschaft. Schaut hin auf die Gaben Gottes. Schaut hin auf die Sendung der Christen in die Welt. Was ist, was kann sein, was will Gott von uns?

Schaut hin, was jetzt und in Zukunft möglich ist. Für die Kirchen und den christlichen Glauben im 21. Jahrhundert. Für das menschliche Zusammenleben. Für die Bewahrung der Schöpfung und in dem, was zeitgemäßes Wirtschaften, Umgang mit Macht und Kapital bedeutet. Welche Werte leben wir?

Vertrauen auf Gott

Wir haben noch kein klares Bild. Wir arbeiten daran. Dazu braucht es Risikomanagement, gute Haushaltsplanung, effiziente Entscheidungen und vor allem Vertrauen auf das, was Gott uns schenkt und zutraut (vgl. Mk 6, 34-44).

Bleibt gesegnet, gesund und zuversichtlich!


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