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Datum:
22. Juni 2019

Diskussion


Hoffnung auf Frieden


Der Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege hat auf dem Kirchentag über die Lage der Frauen im Kongo berichtet.

Text von Katharina Seeburger

Der Friedensnobelpreis ist für Dr. Denis Mukwege Hoffnung und Last zugleich. Hoffnung, weil endlich das Leid der Frauen im Kongo anerkannt und vielleicht irgendwann Frieden herrschen wird. Last, weil es ihn zwingt, noch mehr zu tun, um den Frauen zu helfen. Direkt vor Ort und in der internationalen Politik.

Wer sind diese Frauen? Sie sind Mütter, Schwestern, Ehefrauen. Oder sogar noch Kinder. Die Frauen, denen Mukwege hilft, leben im Osten Kongos, wo seit Jahrzehnten Krieg und Gewalt herrschen. Sie sind Opfer von Vergewaltigung, Genitalverstümmelung und Folter. Oder sie leben in der ständigen Gefahr, zu diesen Opfern zu werden. „Gewalt an Frauen ist die Sklaverei des 21. Jahrhunderts“, sagt Mukwege. Seit 1999 betreibt er in Bukavu das Panzi-Krankenhaus, in dem er und seine Kolleg*innen Opfer von sexueller Gewalt behandeln. Sie retten ihr Leben und helfen ihnen, die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Die Täter jedoch kommen im Kongo ohne Strafe davon. Das verschlimmere die Gewalt weiter, erklärt Mukwege.

Es herrscht ein Krieg im Kongo, der um Reichtum und Rohstoffe geführt wird. Im Kongo gibt es wertvolle Erze wie Gold, Kobalt und Coltan, die vor allem für die Herstellung von Smartphones und Elektro-Autos benötigt werden. Mukwege sieht es mit Sorge, dass Elektro-Autos immer mehr auf dem Vormarsch sind und als sauber gelten. „Für uns sind sie nicht sauber. Da wo man Rohstoffe findet, sind die Konflikte am schlimmsten“, erklärt er. Er erntet Zustimmung im Publikum, viele klatschen. Andere nicken. Opfer im Krieg um die Rohstoffe sind, neben Kindern, die in die Minen zum Rohstoffabbau geschickt werden, vor allem Frauen. „Der Körper der Frau wird als Schlachtfeld missbraucht“, sagt Mukwege. Im Kongo gilt die Vergewaltigung einer Frau gleichzeitig auch als die Vergewaltigung der Familie.

Wenn Mukwege von der Gewalt berichtet, die Frauen und Kinder im Kongo widerfährt, herrscht eine betroffene Stimmung im Saal auf dem Kirchentag. Manche Zuhörer*innen haben Tränen in den Augen. Martin Gossens aus Bremen berührt es sehr, dass Mukwege den Frauen nicht nur als Arzt hilft, sondern auch die politische Initiative ergreift und sich für Menschenrechte einsetzt. Zur Lage der Frauen im Kongo und der Arbeit, die Mukwege täglich leistet, hat Gossens auch eine persönliche Beziehung: „Ich war Auslandspfarrer in Äthiopien und habe dort die Lage der äthiopischen Frauen erlebt.“ Er hatte auch Kontakt zum Fitsula-Krankenhaus in Addis Abeba, das mit Mukwege zusammenarbeitet. Für Dorothea Eisrich aus Schorndorf bei Stuttgart ist es sehr beeindruckend, bei der Veranstaltung dabei sein zu können. „Es ist ein Privileg, so einen Menschen kennen lernen zu dürfen“, sagt sie.

Mukwege selbst wirkt, als ob der Rummel um seine Person für ihn persönlich nicht wichtig ist. Für ihn dient alles seinem Ziel: Frieden, Sicherheit und Freiheit für die Frauen im Kongo. Gerechtigkeit für die Opfer und Versöhnung für das Land. Mukwege ist lediglich ein Sprachrohr, das beim Kirchentag seine Botschaft weitergeben möchte. „Wir als Christen dürfen so eine Lage wie im Kongo nicht akzeptieren. Ich bitte Sie, vergessen Sie uns nicht, unterstützen Sie uns. Vor allem die Frauen im Kongo. Wir brauchen Sie“, appelliert er zum Schluss.

Foto: DEKT/Fabian Weiss


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