Was ist Kirchentag?

Wie er ist. Was er will. Woher er kommt.

Alle zwei Jahre zieht der Kirchentag eine Stadt fünf Tage lang in seinen Bann. Über 100.000 Menschen jeden Alters, unterschiedlicher Religionen und Herkunft kommen zusammen, um ein Fest des Glaubens zu feiern und über die Fragen der Zeit nachzudenken und zu diskutieren.

Der Kirchentag lädt ein, sich einzumischen. Er gibt nicht vor, was richtig oder falsch ist, sondern eröffnet einen offenen und streitbaren Dialog – ob vor 1989 im Ost-West-Konflikt, während der Debatten um die Nato-Nachrüstung in den 1980er Jahren oder gegenwärtig zu Weltwirtschaft und sozialer Gerechtigkeit. So ist der Kirchentag ein gesellschaftliches Forum der Diskussion und Gemeinschaft. Dafür stehen auch viele Persönlichkeiten, die dem Kirchentag ein Gesicht geben.

Das Ereignis

Das Herz des Kirchentags

Die Teilnehmenden sind das Herz des Kirchentages. Sie schätzen vor allem das Gemeinschaftserlebnis und die Begegnungen miteinander. Aber es spielt auch eine große Rolle, Kirche in einem anderen Kontext zu erleben und neue Impulse für das eigene Leben mitzunehmen. Die Erfahrungen beim Kirchentag sind so individuell wie die Teilnehmenden selber.

Rund 5.000 von ihnen kommen aus dem Ausland, aus etwa 80 verschiedenen Nationen und unterschiedlichen Konfessionen. Damit trägt der Kirchentag nicht nur zur Ökumene sondern auch zur Völkerverständigung bei.

Und — der Kirchentag ist jung. Über die Hälfte der Teilnehmenden sind unter 30. Die Jugend mischt sich ein, redet und gestaltet mit. Ob im eigenen Zentrum Jugend, als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer oder auf einer der zahlreichen Veranstaltungen.

Ein volles Programm

Kirchentag als Ereignis, das sind alle zwei Jahre fünf Tage mit über 2.500 kulturellen, geistlichen und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen. Fünf Tage vom Eröffnungsgottesdienst mit dem Abend der Begegnung am Mittwoch bis zum Schlussgottesdienst am Sonntag - gefüllt mit Workshops, Ausstellungen, Konzerten, Gottesdiensten, Bibelarbeiten, Feierabendmahlen, Hauptvorträgen und Podiumsdiskussionen. Die Veranstaltungen sind so vielfältig wie das religiöse und gesellschaftliche Leben. Fragen nach der gerechten Gestaltung einer globalisierten Welt, der Bewahrung der Schöpfung und der Würde des Menschen werden diskutiert, Gespräche zwischen den Konfessionen geführt und auf Konzerten aller Musikrichtungen gemeinsam gefeiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Medien, Wirtschaft, Kirche und dem öffentlichen Leben kommen zu Wort, füllen Hallen und regen an zur Diskussion und zum Mitmachen. Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Werke aus oder inszenieren Theaterstücke für den Kirchentag. Nichtregierungsorganisationen sind genauso vertreten wie lokale Initiativen aus Kirche, Gesellschaft und Entwicklungshilfe. Jede und jeder Einzelne ist ein Teil des Ganzen und trägt zur Einmaligkeit jedes Kirchentages bei.

Mitwirkung und Ehrenamt

Der Kirchentag ist eine Mitmach-Veranstaltung. Denn fast die Hälfte der Teilnehmenden gestaltet das Programm mit. Sie sind Mitwirkende des Großereignisses: in Projektleitungen zur Planung des Programms, in Chören und Theatergruppen, beim Abend der Begegnung oder mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten.

Aber auch große Teile des Aufbaus, der Logistik und der Organisation vor Ort wäre ohne Mitwirkung nicht möglich. Etwa 5.000 Helferinnen und Helfer stehen rund um den Kirchentag zur Verfügung und packen mit an. Viele von ihnen schon seit den Anfängen.

Durch die offene Einladung zur Partizipation setzen Kirchentage eine Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement frei, die in Kirche und Gesellschaft ohne Vergleich ist.

Der Kirchentag kann ohne diese vielen Ehrenamtlichen nicht existieren. Er lebt durch sie und mit ihnen. Sie sind Kirchentag.

Kirchentag setzt Themen

Wer den Kirchentag besucht, erlebt: Die christliche Weltgemeinschaft und die religiösen Landschaften auf dem Globus sind bunt. Leidenschaftliches Engagement und viele kreative Ideen bereichern Glauben und Leben der Christen hierzulande. Das ist gelebte Ökumene.

Von Anfang an stand der Kirchentag im Dialog mit der Laienorganisation der römisch-katholischen Kirche, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Höhepunkte dieser Suche nach Gemeinsamkeit sind seit 2003 die Ökumenischen Kirchentage.

Aber nicht nur die christlichen Religionsgemeinschaften sind auf dem Kirchentag vertreten. Seit den 1960er Jahren wird auch der interreligiöse Dialog gefördert. Auf Kirchentagen wird nach Übereinstimmungen der Religionen gesucht, ohne das Fremde zu verschweigen. Das Miteinander der Religionen und Kulturen kann nicht heißen, dass alle ihre eigene Identität aufgeben. So sind das jüdisch-christliche sowie das muslimisch-christliche Gespräch feste Bestandteile jeden Kirchentags.

Die Bewegung

Kirchentag ist mehr als fünf Tage Großveranstaltung. Er ist eine Bewegung, die Menschen vereint, die sich gesellschaftlich engagieren, Verantwortung übernehmen und den christlichen Glauben leben wollen. So wirkt Kirchentag weit über diese fünf Tage hinaus, in Themen, die gesetzt und Diskussionen, die geführt werden.

Geschichte

„Der Deutsche Evangelische Kirchentag will Menschen zusammenführen, die nach dem christlichen Glauben fragen. Er will evangelische Christinnen und Christen sammeln und im Glauben stärken. Er will zur Verantwortung in der Kirche ermutigen, zu Zeugnis und Dienst in der Welt befähigen und zur Gemeinschaft der weltweiten Christenheit beitragen.“

(Aus der Präambel zur Ordnung des Deutschen Evangelischen Kirchentages.)

Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist so alt wie die Bundesrepublik Deutschland. Reinold von Thadden-Trieglaff gründete 1949 mit einigen Freunden eine evangelische Laienbewegung. Sie war ein Gegenüber zur Amtskirche und schon damals ein großes Forum für die politischen Themen und geistlichen Herausforderungen der Zeit.

Kirchentag in Ost und West

Zwischen 1961 und 1989 war die Kirchentagsbewegung geteilt. Wenige Wochen vor dem Mauerbau fand in der geteilten Stadt Berlin der letzte gemeinsame Kirchentag statt. Große Kirchentage durften in der DDR nicht stattfinden. Deshalb gab es viele regionale Kirchentage, vorbereitet von mutigen Christinnen und Christen, die ihren Glauben öffentlich zeigen wollten. In der Zeit der Teilung schlugen Kirchentage Brücken zwischen Ost und West. Seit 1993 ist die Kirchentagsbewegung wieder vereint.

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