Hate Speech im Netz

Solidarität gegen Zombies

Beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag diskutieren religiöse Aktivist*innen über Feminismus, Hetze und darüber, das Internet zu einem besseren Ort zu machen.

Von Teresa Walter

„Das ist so, als ob man gegen die Zombies bei Game of Thrones kämpft. Egal wie viele du tötest, es kommen immer mehr nach“. So erklärt die muslimische Bloggerin Merve Kayikci den Ansturm von Hasskommentaren auf ihrem Blog „Prima Muslima“. Wie ihr, geht es auch den anderen Teilnehmer*innen der Podiumsdiskussion „fernetzt, feministisch, religiös“ beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag: Sie klären über ihre Religion auf oder schreiben über Geschlechterfragen und werden deshalb in den Kommentarspalten ihrer Blogs öffentlich angefeindet.

Dabei sei das Internet doch eigentlich eine große Chance für Cyber-Feminist*innen, wie Netzanwältin Francesca Schmidt meint. Man denke nur an die "#meToo-Debatte" oder den "Womens March" von 2017, bei dem Millionen Menschen weltweit auf die Straße gingen, um für mehr Gleichberechtigung zu demonstrieren. Diese Art Vernetzung wäre ohne das Internet nicht möglich gewesen, so Schmidt. Da das Internet Teil der Gesellschaft sei, gebe es auch Rassisten und Sexisten eine Plattform, erklärt sie. Besonders häufig betroffen von Hass im Netz seien Frauen, Behinderte, trans- und intersexuelle Menschen oder Women of color, so Francesca Schmidt.

Neben Muslimen werden auch Juden Opfer von Hate-Speakern, wurde in der Diskussion klar. Die jüdische Bloggerin Juna Grossmann meint, dass sie sich schon häufiger überlegt habe, ihren Blog names "irgendwie jüdisch" einzufrieren, weil so viele Hasskommentare unter ihren Beiträgen gelandet wären. Doch dann hätte sie der Gedanke an ihre community zurück gehalten, für die sie auch Sprachrohr und verantwortlich sei. Sie selbst habe eine Funktion auf ihrem Blog installiert, die verhindere, dass sie selbst die Hasskommentare sehe. Selbstschutz sei wichtig, meint Grossmann, „sonst können wir da nicht lange machen“.  

Dem schließt sich auch die Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp an. Sie betreibt ihren Blog „Aus Liebe zur Freiheit“ schon seit zehn Jahren und beantworte nur ausgewählte Kommentare: "Viele denken, dass man als Bloggerin alles freischalten müsste. Das stimmt aber gar nicht. Ich suche aus, was ich beantworten will“. 

Wie Antje Schrupp ist auch Balthazar Berne protestantischen Glaubens. Berne ist Autor*in des queer lexikons, dass versucht, queeren Jugendlichen Fragen zu Themen wie Gender und Sexualität zu beantworten. Obwohl sie aufgrund ihrer Intersexualität schlechte Erfahrungen mit christlichen Personen gesammelt habe, findet sie nicht, dass sich queer und religiös sein gegenseitig ausschließen.  

Ist das Internet nun ein guter oder ein schlechter Ort? "Das bestimmen seine Nutzer", meint Merve Kayikci. "Jeder von uns, der aktiv im Netz ist, sollte sich darüber bewusst sein dass er/sie selber das Netz mitgestaltet, und das ist eigentlich auch gut so."

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