Bibelarbeit Felix Finkbeiner

"Brauchen auch die Hilfe der Sünder"

Es bleibt nicht mehr viel Zeit, die globale Klimakrise zu lösen. Aber es ist möglich, wenn alle gemeinsam handeln. Dazu müssten auch die Sünder aus der Wirtschaft eingebunden werden, die das Problem wesentlich verursacht haben, meint Felix Finkbeiner, der Gründer der Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet. Sein Credo: „Es geht um Vergebung, denn es geht um die Rettung der Welt.“

Von Rolf Masselink

Ein Appell zum Klimaschutz der besonderen Art: Wenn der 21-jährige Felix Finkbeiner gehofft hatte, auf dem Dortmunder Kirchentag mit der allerersten Bibelarbeit seines Lebens „nicht ganz so viele Besucher“ anzusprechen, sah er sich positiv enttäuscht. Im prallgefüllten Zelt 12 wurde seine Arbeit über Jesus und die die Sünderin, der er vergibt, zu einer vielumjubelten Rede über die vielleicht größte Herausforderung für die Menschheit.

Als Viertklässler hatte Felix Finkbeiner im Januar 2007 in einem Schulreferat vorgeschlagen, dass Kinder in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen sollten. Das war die Geburtsstunde seiner der Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet. Die hat längst Millionen Bäume gepflanzt und hat heute 70.000 Unterstützer in 67 Ländern.

Bäume pflanzen gegen den Klimawandel, das war auch ein Thema seiner Bibelarbeit. Die Klimakrise habe einen „Riss“ in das Vertrauen junger Menschen in die Demokratie gezogen, so Finkbeiner. Ihm habe diese Klimakrise "die Hoffnung genommen, dass in unserer Demokratie alles immer besser wird“. Warum? Weil das Problem des wachsenden CO2-Ausstoßes für das Weltklima seit über 100 Jahren bekannt ist. Weil die Bedrohung des Klimas durch den CO2-Ausstoß seit 30 Jahren wissenschaftlich belegt und anerkannt ist. Und weil in diesen 30 Jahren nichts geschehen ist. Im Gegenteil: In diesen letzten 30 Jahren wurde mehr CO2 in die Atmosphäre gepustet als in allen Jahrzehnten zuvor. Die Weltklimakonferenz 2015 habe Hoffnung gebracht, aber auch Frust. Die dort vereinbarten Klimaziele würden von keinem großen Industrieland der Welt eingehalten. Erst Greta Thunberg und die „Frydays for Future“ hätten Bewegung in die Diskussion gebracht.

Noch sei Zeit, „weniger Selfies zu machen und zu handeln“. Immer mehr Menschen versuchten, ihr Leben umweltverträglicher zu gestalten, weniger Fleisch zu essen, auf das Auto zu verzichten. Aber privates Engagement reiche nicht. Finkbeiner warb in Anlehnung an die Bibelgeschichte aus dem Lukasevangelium dafür, den Sündern zu vergeben: „Wir müssen also den Unternehmen, die uns betrogen haben vergeben, denn wir brauchen auch ihre Hilfe.“

Wie fragil die vermeintlich starke demokratische Gesellschaft ist, habe schon die Flüchtlingskrise 2015 in Deutschland gezeigt. „Ich war zum  erstenmal froh, Deutscher zu sein. Unser Land hat 500.000 Flüchtlinge aufgenommen.“ Aber wie schnell habe es national und international Kritik, Abschottung und „einen Rückfall in barbarische Politik“ gegeben, in einen neuen Nationalismus, Rechtspopulismus, die Einschränkung der Pressefreiheit und autokratische Regierungsstrukturen.

Dabei sei diese Flüchtlingskrise nur ein kleines Problem gewesen im Vergleich zur „Riesenherausforderung“ der Begrenzung des Klimawandels. Finkbeiner warnte: Das Umdenken habe zwar begonnen, gehe aber zu langsam. Aber es bleibe nicht mehr viel Zeit.

Lösungsansätze sieht der 21-Jährige durchaus. Zunächst natürlich: Bäume pflanzen. 3000 Milliarden Bäume gebe es zurzeit auf der Welt. Es waren schon einmal doppelt so viele. Und es wäre Platz für weitere 1000 Milliarden Bäume. Also sollten Bäume gepflanzt werden, wo immer es geht, in großem Maßstab, auch mit Unterstützung der Wirtschaft. Finkbeiner betreut zurzeit ein Aufforstungsprojekt auf 22.500 Hektar Wald in Mexiko.

Gerade in Lateinamerika und Afrika gebe es reichlich Platz für neue Bäume. Die würden nicht nur helfen, das Weltklima zu verbessern, sondern auch Arbeitsplätze schaffen und gesellschaftliche Probleme lösen helfen. Das Holz sei ein wertvoller Rohstoff, aus dem zum Beispiel Häuser gebaut werden könnten. So könne der Verbrauch von Beton und Stahl gesenkt und so der CO2-Ausstoß weiter deutlich vermindert werden.

Große Chancen sieht Finkbeiner auch in einer verstärkten Nutzung der weltweiten Wüstenflächen zur Energiegewinnung. Die Sonneneinstrahlung auf Wüstenfläche liefere innerhalb weniger Stunden mehr Energie als die ganze Welt im Jahr verbrauche. Wie sie nutzbar machen? Finkbeiner verweist auf große neuartige Solarkraftwerke. Ein solches Zwei-Gigawatt-Solarkraftwerk entsteht derzeit in Marrokko. In vier Jahren soll es fertig sein und das Land wesentlich unabhängiger von Energieimporten machen.

Die Unternehmen – gerade auch die, die in der Vergangenheit Profite auf Kosten des Weltklimas gemacht haben – will Finkbeiner nicht an den Pranger stellen, sondern überzeugen, sich „auf die richtige Seite zu stellen“. Sie müssten dafür gelobt werden, ihren CO2-Ausstoß so schnell wie möglich zu senken, und sie sollen schon heute die Menge an CO2, die sie emittieren kompensieren durch zertifizierte Projekte in den sich entwickelnden Ländern.

Lob und Vergebung seien nötig, lautet Finkbeiners Fazit, denn die Herausforderung der Klimakrise könne nur in einer international gemeinsamen Kraftanstrengung gelöst werden – und nur, wenn auch die Verursacher, die „Sünder“, dabei nach Kräften mithelfen.

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