Abend der Begegnung

Jesus is a Punk Rocker

Auf dem Abend der Begegnung spielen die Dortmunder Punkrocker "King's Tonic" als akustisches Duo. BVB-Fans kennen die Band spätestens seit der letzten Meisterschaft – wie kommt sie auf dem Kirchentag an?

von Jann-Luca Künßberg

Höchstens ein paar wenige Minuten zu spät, für Punkrocker also eher unüblich, kommen King's Tonic auf die Bühne an der Agnes-Neuhaus-Straße, mitten in der Dortmunder Innenstadt-West. Es sind vielleicht 70 Leute da, ein demografischer Spiegel des Kirchentagpublikums, eher jung und eher alt. Einige versuchen noch hektisch, in ihre Regenponchos zu kommen. Das Wetter wird plötzlich mies, der Himmel verdunkelt sich,  Wind weht durch die Straßen, einige Marktstandbetreiber*innen fixieren schnell ihre Zelte. Vor allem die eingeschweißten Fans in der ersten Reihe lassen sich davon aber nicht die Laune verderben, als das Dortmunder Duo seine akustische Performanz startet. Schnell wird mitgegrölt, am christlichsten dabei noch zu einem Song über Wasser und Wein.

Ansonsten wird in der Songauswahl eher das Bier besungen und auch das Publikum nimmt den Auftritt von King's Tonic zum Anlass für ein erstes oder zweites Feierabendbier zum nahenden Abschluss des ersten Programmtages. Gerade in den akustischen Versionen der Lieder mutiert die Musik zu tanzbarem Poppunk, nach ersten zögerlichen Bewegungen in dem Fanblock ganz vorne und mehreren gesanglichen Aufforderungen von Sänger James Mean kommt auch Schwung in die hinteren Reihen. Es wird geschunkelt und gesprungen, hinten zaghaft, vorne wild. "Wer hier denkt: Kirchentag, die Straßen sind gesperrt, alles scheiße, dem sei gesagt, das sind ganz normale Menschen hier, Borussia spielt nicht, also egal!" grölt der ins Mikrofon. Die Band schrieb den beliebtesten Meistersong zum letzten Dortmunder Bundesligatitel 2012, eine Hommage an den damaligen Trainer Jürgen Klopp.

Seitdem genießen sie in ihrer Heimat wohl so etwas wie Kultstatus, spätestens aber seit Sänger James Mean 64.000 Euro bei der RTL-Quizshow "Wer wird Millionär" gewann. Die Moderatorin des Bühnenprogramms unkt, so hätten King's Tonic ihre letzte Platte finanziert und will wissen, woher das Geld für die nächste kommen solle: "Aus den Erlösen unseres selbstgebrauten Bieres!" King's Tonic spielt noch eine halbwegs nicht erlaubte Zugabe nach Aufforderung der Gäste, die gegen Ende inbrünstig mitsingen. In manchem Gesicht spiegelt sich jahrelange Erfahrung im Kirchenchor, man hört das Acapellagefühl der Stimmen. Auch als die Band die Bühne dann final räumen und Platz für den nächsten Auftritt machen muss, singt ds Publikum noch weiter. Hier passiert Begegnung, ein Konzert mehrerer Handreichungen: an die Stadt, an ihre Fußballfans, die jungen Menschen, das Bier und an den Punkrock. 

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