Eröffnungsgottesdienst in leichter Sprache

Vertrauen gibt Hoffnung auf Veränderung

Auf Gott vertrauen – und daraus die Hoffnung schöpfen, dass Veränderungen möglich sind – auch gegen jede Vernunft. Das war das Motto des fröhlich-bunten Eröffnungsgottesdienstes in Leichter Sprache in der Dortmunder Innenstadt. „Wenn du auf Gott vertraust, verbindest du dich mit dem Ewigen. Du atmest Gottes Atem", sagte Dr. Elfriede Dörr, Leiterin des Referats für Ökumene und Fortbildung der evangelischen Kirche in Rumänien, in ihrer Predigt.

Von Rolf Masselink

Leichte Sprache hilft vielen Menschen: Menschen mit Lern-Schwierigkeiten, Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen oder nicht so gut lesen können, und auch Menschen mit der Krankheit Demenz. Diese Leichte Sprache prägte den Gottesdienst „in ökumenischer Weite“, zu dem sich Tausende Kirchentagsbesucher vor der großen Bühne auf dem Hansaplatz mitten in der Dortmunder Innenstadt zusammengefunden hatten. Diese Leichte Sprache ohne Fremdwörter, ohne Fachwörter und ohne lange Sätze könne auch helfen, „einen ganz neuen Zugang zu biblischen Texten zu bekommen“, sagten Pfarrer Nico Szameitat und Pfarrerin Heike Bosien schon in der Begrüßung zu diesem Gottesdienst. Der rankte sich um zwei Schlüsselworte: Vertrauen und Hoffnung.

Drei Beispiele für Vertrauen bewegten die große Gottesdienstgemeinde: Die Geschichte eines psychisch erkrankten Mannes aus Düsseldorf sandte die Botschaft: „Vertrauen ist eine kleine Pflanze“. Vertrauen braucht Zeit zum Wachsen und entwickelt sich Schritt für Schritt. Eine Kubanerin aus Havanna sprach vom Traum der Menschen in ihrer Heimat, ein Kuba zu schaffen, „in dem wir alle gut leben  können. „Wir alle träumen von einer besseren Welt.“

Bewegend und beeindruckend war der Bericht eines syrischen Kriegsflüchtlings. Er schilderte, wie er in den schlimmsten Kriegserlebnissen Hoffnung aus der Musik geschöpft habe. In seinen Gesang zur Klaviermelodie stimmten Tausende Kehlen mit ein.

Den Bogen vom biblischen Kirchentagsmotto „Was für ein Vertrauen“ zur aktuellen Politik schlug auch die Theologin Elfriede Dörr aus dem rumänischen Sibiu (Hermannstadt) in ihrer Predigt. „Was geschieht, wenn du so auf Gott vertraust wie Hiskia in der biblischen Geschichte?“ fragte sie. Ja, da könne es passieren, dass man verlacht wird wie Hiskia. Aber: „Du stellst Dich der Gefahr. Du bietest der Angst die Stirn. Du tust das, was dem Leben dient.“ Wer auf Gott vertraue, vertraue darauf, dass sich etwas ändern kann – gegen jede Vernunft.

Dieses Vertrauen hätten auch viele Menschen in Rumänien, wo Korruption und verbrecherische Politiker das Land regierten. Viele protestierten, andere hätten das Land verlassen und unterstützten zum Beispiel von Deutschland aus Angehörige und Freunde in Rumänien. Sie alle vertrauten darauf, dass sich etwas ändert. „Was geschieht, wenn Du auf Gott vertraust, wie die Menschen dort – bei der Wahl?“ fragte Elfriede Dörr. „Du traust Gott etwas zu. Gott bekommt Raum in Deinem Leben. Du verbindest Dich mit dem Ewigen. Mit Gott: Himmel und Erde hat Gott gemacht. Dich hat er geschaffen. Du atmest Gottes Atem.“

Auf diesem Kirchentag in Dortmund wollten die Teilnehmenden „ins Gespräch kommen über Glauben und Gottvertrauen“, sagte Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Präsidiumsvorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentags, in seiner Eröffnungsansprache. „Dieser Kirchentag will Veränderungen anstoßen“, so Barner. Es gehe um Themen wie Umwelt und Klimaschutz, um die Aufnahme und Behandlung von Flüchtlingen, um Europa und Demokratie. Er sieht die Veranstaltungen des Kirchentags als Diskussionsforen darüber, „wie wir den schwierigen Weg der Veränderungen gemeinsam gehen können“. Dazu brauche es großes Vertrauen, „dass wir gemeinsam mit anderen etwas ändern können“.

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