Gedenken zu Beginn

"Alles, was wir haben, ist aus dem Judentum erwachsen"

Mit einer Tanzperformance erinnert der Kirchentag an die Opfer von Rassismus und Antisemitismus. Welche Verantwortung trägt die Evangelische Kirche heute? Einige Stimmen über das Gedenken zu Beginn.

von Marie-Thérèse Harasim, Teresa Roelcke, Maike Verlaat und Lina Verschwele

Denise Dombrowski:

„Ich finde, die Leiden des Nationalsozialismus sind sehr gut im Tanz herübergekommen. Auch zusammen mit den Vorträgen – das waren immer schöne Einheiten. Das war immer gut zu verstehen. Man kann es nicht nachvollziehen, wie das wirklich war. Aber trotzdem hat man so ein bisschen einen Eindruck bekommen und ist von der Tanzperformance auch emotional sehr ergriffen. Persönlich weiß ich gar nicht so genau, ob so viel von der evangelischen Kirche gegen Antisemitismus unternommen wird. Ich habe das heute hier gesehen und wenn es das oft gibt, und sich auch generell stark gemacht wird, dann hoffe ich, dass die Evangelische Kirche da viel unternimmt.“

Elfriede Koch-Martin und Ulrike Kocherscheidt:

„Ich kann es gar nicht mehr sagen, seit '77 bin ich nahezu auf jedem Kirchentag und immer zutiefst beeindruckt, was hier alles an politischen Aussagen gemacht wird, neben dem Christlichen, was für mich eigentlich keine Trennung ist. Diese Tanzgruppe hat das wortlos so klar und so deutlich gezeigt, wie ich das bisher auf diese Weise noch nie gesehen und auch erlebt habe“

„Ich bin heute zu der Veranstaltung gegangen, weil das Thema einfach hochbrisant und hochaktuell ist, und mich immer wieder berührt. Und weil ich wirklich erschrocken bin, wie viele rechte Parolen mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Wenn man Christ ist, kann man eigentlich nur judenfreundlich sein. Denn das ist doch unsere Wurzel. Alles, was wir haben, ist doch aus dem Judentum erwachsen. Wie kann man da irgendwie gegen sein? Das geht doch überhaupt nicht.

 

Charlotte Hoffmann:

„Ich komme aus New York, eine Freundin von mir hat heute getanzt. Ich möchte auch ein bisschen vom Kirchentag sehen – ich habe schon davon gehört, aber ich wusste nicht, was hier läuft. Diese Tanzperformance habe ich sehr genossen. Ich glaube, alle haben das Thema sehr ernst genommen. Sie hat wirklich versucht, in einer künstlerischen Weise das Thema Offenheit zu zeigen.“

 

Matthias Binder:

„Ich war schon gespannt: Wann kommt eigentlich etwas dazu, wo die evangelische Kirche steht? Das war jetzt der letzte Teil und ich habe mich sehr gefreut über die Stellungnahmen, die verlesen worden sind. Ich hoffe, dass es so ist, wie gesagt wurde: Dass 127.000 Christen und Christinnen in Dortmund Nein zu Antisemitismus sagen. Da habe ich meine Zweifel. Aber ich finde es gut, dass Leitende Stellung genommen haben. Wie es in den Gemeinden aussieht, kann ich natürlich nicht einschätzen. Ich denke, dass dieses Gedenken auch ein bisschen das Netz spannt. Ich habe vom NSU gehört, aber ich kann jetzt die Orte nicht aufzählen, wo jemand – obwohl doch, Heilbronn kann ich aufzählen, weil ich dort gelebt habe. Die Frau Kiesewetter. Der Tanz habe sehr gern angeguckt. Ich habe den Zusammenhang nicht so gesehen, aber ich mag Tanz als Ausdruck und die Musik dazu war eine gute Ergänzung. Ich habe es nicht ganz verstanden, aber das sei dahingestellt.“

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