Bibelarbeit

Verzweiflung über Abraham

Bei der Bibelarbeit zur Opferung Isaaks diskutiert die Journalistin Anja Reschke mit Kirchentagspräsident Hans Leyendecker über Vertrauen – und wann es an Grenzen stößt.

von Marie-Thérèse Harasim, Niklas Münch, Lina Verschwele und Alexander Wenzel

Die Geschichte, in der Abraham seinen geliebten Sohn Isaak Gott opfern soll, gehört zu einem der Texte, die uns heute unverständlich erscheinen. Auch Anja Reschke und Hans Leyendecker hadern damit, aber versuchen, sich mit persönlichen Geschichten aus ihrer journalistischen Arbeit dem Text während der Bibelarbeit zu nähern.

Anja Reschkes Vertrauen wurde im Jahr 2015, auf dem Gipfel der Diskussion über die Flüchtlingspolitik, auf die Probe gestellt. Nach einem Kommentar in den Tagesthemen, in dem sie sich klar gegen Rassismus positionierte, erhielt sie viel Zuspruch – aber auch sehr viele Anfeindungen und Hassbotschaften. Das habe ihr Vertrauen darin, dass die Würde eines jeden Menschen in unserer Gesellschaft unantastbar ist, erschüttert. In gewisser Weise sei sie in dieser Situation wie Isaak gewesen. Dieser habe seinem Vater Abraham ebenfalls blind vertraut und wurde dafür fast geopfert.

Rückblickend auf seine Laufbahn als investigativer Journalist sieht sich Hans Leyendecker manchmal in der Rolle des Abraham. So habe er oft einen Tunnelblick gehabt, fixiert auf die Arbeit und die nächste Enthüllung, statt die Konsequenzen zu sehen. Heute bereue er es, mit seiner Arbeit Menschen geschadet zu haben.

Am Ende ziehen Anja Reschke und Hans Leyendecker verschiedene Schlussfolgerungen aus der Bibelstelle. Für Reschke stellt sich eine zentrale Frage: „Wie weit muss man Vertrauen schenken und wann ist die Freiheit bedroht?“ Für Leyendecker offenbart sich in dem Text Gottes Liebe zu den Menschen: „Gottes ‚Nein‘ zu Menschenopfern, Gottes ‚Nein‘ zu Flüchtlingsopfern auf dem Meer, Gottes ‚Nein‘ zur Zerstörung der Erde“.

Nach der Bibelarbeit beantworteten Hans Leyendecker und Anja Reschke dem Presseteam des Kirchentags ein paar Fragen.

Hans Leyendecker sprach über sein Vertrauen in die Demokratie und was ihm die Bibelstelle bedeutet.

Anja Reschke sprach über ihr Vertrauen in die Medien und ob Gehorsamkeit belohnt werden sollte.

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