Hauptpodium

"Großartige Zeiten für den Journalismus"

Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, zeichnet ein optimistisches Bild von der Zukunft der Qualitätsmedien

von Steffen Groß

„Gäbe es den Journalismus nicht, man müsste ihn für genau diese Zeiten erfinden“ – diese These vertrat Georg Mascolo beim Hauptvortrag „Vertrauen verdienen – Journalismus in Zeiten von Fake, Lüge und großer Gereiztheit“ in der überfüllten Dortmunder Oper.  Deutschlands wohl bekanntester investigativer Journalist hält nichts von Szenarien, die einen dramatischen Bedeutungsverlust des Qualitätsjournalismus vorhersagen. „Je größer die Beunruhigung ist, umso schwankender der Boden, umso wichtiger ist ein Ort an dem Orientierung zu finden ist. Verlässlichkeit und der professionelle Versuch, Ordnung in die Dinge zu bringen.“

Damit Journalisten diese Leistung für die Gesellschaft erbringen können, brauchen sie laut Mascolo vor allem eines: Das Vertrauen der Menschen.  Und um dieses Vertrauen zu stärken, müssten die Medien Mut aufbringen, eigene Fehler einzuräumen und zu korrigieren. Daran fehle es bislang oft. „Das, glaube ich, muss anders werden. Denn wir vertrauen denen, die sich Vertrauen verdienen.“, räumte der Journalist ein.“ Wer dem Souverän, wer Ihnen dienen will, der muss selbst souverän sein.“ Er selbst habe dies viel zu lange vernachlässigt und erst als Chefredakteur des Spiegels umgedacht und eine Rubrik für Fehlerkorrekturen eingerichtet

Voraussetzung für demokratische Entscheidungen seien heute mehr denn je zuverlässige Informationen, auf deren Basis Bürger sich eine Meinung bilden könnten. Ohne diese Basis sei der Zusammenhalt einer Gesellschaft insgesamt in Gefahr: "Natürlich kann und darf jeder seine eigene Meinung haben, aber nicht seine eigenen Fakten", sagte Mascolo.

Diese Differenzierung sei umso wichtiger, weil die „Lüge eine neue Macht erhalten“ habe: „Heute bedeutet etwa der schamlose Gebrauch der Lüge nicht mehr den Verlust höchster Staatsämter, sondern ermöglich gerade erst den Aufstieg in diese - wie wir in den USA sehen“, erklärte Mascolo. Die Kategorien "gefällt mir" und "gefällt mir nicht" würden zunehmend wichtiger als die Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“. Solche Filterblasen seien problematisch, betonte der Journalist, denn "die Demokratie ist kein Schützengraben".

Deutliche Kritik übte Mascolo an den Geschäftsmodellen der Internetgiganten wie Facebook oder Twitter. Sie setzten auf Emotionalisierung und registrierten genau, wofür sich ihre Nutzer interessieren. „Wenn Sie sich für Müll interessieren wird Ihnen verlässlich mehr Müll zugestellt. Es ist ein Geschäftsmodell für die Filterblase.“ Dazu komme, dass sich mit vielen Klicks mehr Geld verdienen lasse – und Lügen seien ein erfolgreicher Weg, Klicks zu generieren.

Vor diesem Hintergrund forderte Mascolo, dass Medien und Öffentlichkeit „hart darum kämpfen müssen, die Regeln, die uns in der analogen Welt so gut gedient haben, auch in der digitalen Sphäre durchzusetzen“. Hetze im Netz müsse konsequent bestraft werden „denn Gewalt beginnt immer mit gewalttätiger Sprache“.

Mascolo selbst bezeichnet sich als „milden Optimisten“.

Seine Begründung: „Weil ich nicht glaube, dass uns die wichtigsten Ressourcen ausgegangen sind: Mut, Vernunft und der Glaube daran, dass diese Welt eine bessere werden kann. Wenn sie denn von liebenden Händen in die richtige Richtung bewegt wird.“

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