Europa - Wir müssen reden!

Bürger*innendialog im World-Café

Im Dortmunder Konzerthaus kommen Gäste des Kirchentags mit Vertreter*innen aus Politik, Kirche und Wissenschaft zusammen – und sprechen über die Zukunft unseres Kontinents.

von Jann-Luca Künßberg

Als sich der mittlerweile Ex-EU-Parlamentarier Elmar Brok vor der Europawahl im Mai 2019 gegen die Einführung transnationaler Listen für die Kandidat*innen aussprach, war eines seiner Kernargumente der Verlust des Bürger*innendialogs im jeweiligen Wahlkreis. Der Kirchentag zeigt bei der Veranstaltungsreihe „Europa, wir müssen reden“ aber, dass für Dialog der Wahlkreis gar nicht wichtig ist: Im Konzerthaus in der Dortmunder Innenstadt lud der Verein Europa-Union Deutschland e.V. zur Diskussion mit der Europa-Abgeordneten Nicola Beer von der FDP, Jürgen Hardt, dem außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag und weiteren Vertreter*innen aus Politik und Kirche in Brüssel. Denn auch die Kirchen und ihr zugehörige Verbände und Organisationen haben Vertretungen in der europäischen „Hauptstadt“.  

Auch wenn es der deutsche Kirchentag im deutschen Dortmund ist und deutsche Abgeordnete im Gespräch sind, zeigt dieses Veranstaltungsformat doch, dass gerade der jungen Generation ein Dialog speziell im Wahlkreis nicht besonders wichtig ist. Diskutieren können sie überall, mit Menschen von überall. Die Fragen der Vormittagsrunde drehen sich um Wirtschaft und Soziales und Europas Rolle in der Welt. Anfänglich reden hauptsächlich die Expert*innen, wie üblich bei solchen Formaten brauchen die Gäste einen Moment zum Auftauen. Nicola Beer hat nicht das Gefühl, dass es zu wenige Wortbeiträge gibt. Manche*r suche aber lieber die bilaterale Auseinandersetzung nach dem Gruppengespräch, sagt die FDP-Politikerin. Die Schwelle für den Gesprächseinstieg hält sie nicht für zu hoch.  

Dan Arved Zizelmann, ein Junge „aus der deutschen Provinz“, hatte anfangs schon die Sorge, dass sich das Dialogformat zu einem reinen Expert*innentalk entwickelt. Umso mehr freut er sich über die angeregte Debatte, die sich noch entwickelte. Denn, so sagt er: „Bei uns auf dem Dorf, da gibt es keine Diskussionen.“ Hier haben junge Menschen und alte, europaskeptische und flammende Befürworter*innen die Chance, mit Expert*innen über Fallstricke und Vorteile des Supranationalen jetzt und in Zukunft zu reden. Natürlich können nicht alle in Ausführlichkeit zu Wort kommen, aber hier werden Fragen beantwortet, Verständnis gefördert und Gespräche auf Augenhöhe geführt. Europa geht alle etwas an, so könnte die Nachricht lauten, und weil Europa überall ist, kann der Dialog gar nicht in Wahlkreisen geführt werden. Bürgernähe muss lokal sein, wo das Lokale aber verortet ist, scheint am Ende gar nicht wichtig zu sein. 

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