Digitalisierung

Vertrauen in die Zukunft

Für eine aktive Gestaltung des Digitalen sprach sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede in der Westfalenhalle aus. Im Interview erklärte uns Ranga Yogeshwar die Herausforderungen.

Von Marisa Gierlinger und Alexander Wenzel

Es gehe nicht um ein Ja oder Nein zur Digitalisierung – denn diese findet bereits statt. Doch die gesellschaftlichen Folgen des digitalen Wandels wie staatliche Überwachung und tägliche Datenabsaugung sorgten, so Steinmeier, für „fundamentale Verunsicherung“ und ein erschüttertes Vertrauen. Weshalb wir uns überlegen müssten, welche Digitalisierung wir eigentlich wollten. Wir sollten uns fragen, wie Digitalisierung dem Menschen dienen kann, und diese entsprechend gestalten.

„Nicht die Digitalisierung muss der Demokratie auf die Sprünge helfen, sondern eine Demokratisierung des Digitalen ist notwendig“, sagte Steinmeier. Konkret forderte er, gegen die Verrohung der Sprache in den sozialen Medien und die Macht der Internetkonzerne aus dem Silicon Valley vorzugehen – um so die Kontrolle und Mündigkeit im Netz zurückzugewinnen. Helfen sollen dabei eine „Ethik der Digitalisierung“ und Regeln auf europäischer Ebene. Die Resolution zur Digitalisierung, die auf dem Kirchentag erarbeitet werde, sei dafür ein wichtiger Impuls.

Anschließend diskutierte Steinmeier auf dem Podium mit der ehemaligen Bundesbildungsministerin Dr. h.c. mult. Annette Schavan und dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar. Das Trio begrüßte die positiven Entwicklungen und Chancen durch die Digitalisierung. Diese ermögliche das Ausleben individueller Kreativität und befähige zum demokratischen Diskurs. Vor allem Yogeshwar betonte die kommunikativen Möglichkeiten, dabei helfe nach seiner Meinung zunehmend auch Künstliche Intelligenz. "Wir leben in einer der großartigsten Zeiten, die es je gab", betonte er.

Schavan stimmte zu, dass eine Konfrontation mit dem "Antlitz des Anderen" im gemeinschaftlichen Dialog gefördert wird. Das zeigte sich auch in unserem Interview mit Ranga Yogeshwar. Als bekennender Atheist repräsentiert er die Seite der Wissenschaft, die häufig als Gegenstück zur Religion wahrgenommen wird. Ein gemeinsames Wertegerüst sieht er dennoch als wichtige Bedingung für ein fortschrittliches Zusammenleben an. Trotz seines Optimismus bezüglich der Digitalisierung gab der studierte Physiker zu, dass es auch viele Irrwege gebe. Diese entstünden aber in erster Linie aus einer ökonomisch getriebenen Vergiftung von Kommunikation als "Erregungsbewirtschaftung". Man müsse, forderte auch Steinmeier, bei allem Zukunftsvertrauen auch über die Grenzen sozialer Entwicklungen sprechen.

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