Workshop

Toleranz und Zivilcourage statt Rassismus und Diskriminierung

Italiener liegen faul in der Sonne und alle Polen stehlen. Workshop „Anti-Rassismus-Training: Toleranz und Zivilcourage einüben“ auf dem Kirchentag.

Von Katharina Seeburger

Wo hören Klischees auf, wo fangen Rassismus und Diskriminierung an? Und habe ich selber rassistische Denkmuster im Kopf, denen ich mir nicht bewusst bin? Wo findet man Rassismus im Alltag? Fast 40 Workshop-Teilnehmende diskutierten mit den Organisatoren Holger Wiewel (Bielefelder Verein für demokratisches Handeln), Caro Decker und Volker Kohlschmidt (beide Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus) auf dem Kirchentag darüber, was rassistisch ist und woher Vorurteile kommen. Für Kohlschmidt war es das Ziel, die Teilnehmenden zum Nachdenken anzuregen: "Wir möchten, dass man nicht mehr einfach rassistische Bilder benutzt und reproduziert. Wir wollen aber auch niemanden belehren, sondern über Rassismus im Alltag sensibilisieren."

Dafür zeigten Kohlschmidt, Decker und Wiewel den Teilnehmenden, worin sich Klischees, Vorurteile und Diskriminierung unterscheiden - und wie sie doch zusammen hängen. Als Beispiel nannten sie das Klischee, dass alle Polen stehlen würden. "Sicher gibt es Polen, die stehlen. Aber das sind eben nicht alle Polen", sagt Wiewel. Problematisch werde es aber, wenn es auf alle Polen übertragen werde. „In dem Moment, wo es geteilte Bilder sind und Menschen systematisch in eine Gruppe gesteckt und benachteiligt werden, ist es Diskriminierung. Menschen können sich dann nicht aussuchen, ob sie in diese Schublade gesteckt werden oder nicht. Sie sind da ohnmächtig", erklärte Decker.

Rassismus ist also nicht nur in der rechten Szene zu finden, sondern auch im Alltag. Deswegen nahm der 19-jährige Florian Vosz aus Kyritz am Workshop teil. Vor ein paar Jahren sei sein Handeln stark von Alltagsrassismus geprägt gewesen. „Rassismus hat auch was mit Gedankenlosigkeit zu tun. Seit ich darüber nachdenke, was man damit macht, lösen sich meine rassistischen Denkmuster auf“, sagte er. Dass man über Rassismus sprechen und nachdenken müsse, fand auch Philipp Höge aus Tübingen. Auch in den jüngeren Generationen sieht er Alltagsrassismus oft noch verbreitet. „Rassismus wird nicht automatisch besser, sondern nur, wenn man darüber redet“, sagte der 28-Jährige.

Wie kann man also auf Rassismus im Alltag reagieren? Decker hatte dazu drei Tipps: Zuerst müsse man bei sich selber anfangen und die eigene Wahrnehmung reflektieren. Begegne man rassistischen Äußerungen, rät sie den Mund aufzumachen und keine Angst vor Diskussionen zu haben und die eigene Meinung zu äußern. Ob man dabei Fehler mache, sei erst einmal egal. „Hauptsache man geht in den Austausch“, sagte Decker.

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