Gastfreundschaft

"Dortmund ist gastfreundlich und offen"

Die Wohnung teilen, gemeinsam essen: Stefan Kilmer gab vor zwei Jahren in der Nacht des Attentats auf den Mannschaftsbus von Borussisa Dortmund vier französischen Fans Obdach. Zum Kirchentag stellt der BVB-Fan wieder Betten bereit. Ein Gespräch über Gastfreundschaft und die verbindende Kraft von Fußball.

Stefan Kilmer, haben Sie bereits öfter jemanden Obdach gegeben?

Im Fußball nicht. Doch seit 30 Jahren bin ich Vespa-Fahrer. Wenn ich irgendwo zu Besuch bin, werde ich aufgenommen. Andersherum genauso: Sind Leute in Dortmund, dann sind sie auch selbstverständlich meine Gäste. Da ist es egal, ob Menschen dabei sind, die ich nicht kenne. 

Wie haben Sie den Tag des Anschlags erlebt?

Das war ein harter Tag für mich. Gewalt gehört nicht in den Fußball. Es hat mich sehr betroffen gemacht. Als abends die Spielabsage kam und der Hashtag #bedforawayfans geboren wurde, habe ich überlegt, Fremde bei mir aufzunehmen.

Wieso?

Da ich öfters Gastgeber von Vespa-Fahrern bin, dachte ich mir, Fußballfans können keine schlechten Leute sein. Also habe ich vier französischen Fans Unterschlupf gewährt. Als sie die Tür aufgemacht haben, war ich sehr froh und der Hass war weit weg. Wir haben einen sehr schönen Abend verlebt, zusammen gegessen und wir konnten über den Vorfall reden.

Wie wichtig ist Ihnen Gastfreundschaft?

Ich komme aus einer großen Familie mit neun Kindern. Da galt immer: Wenn Gäste da sind, werden sie bewirtet, man ist freundlich zu ihnen und das sorgt für gute Stimmung. Außerdem lernt man andere Menschen kennen und kann neue Freundschaften knüpfen.

Ist Gastfreundschaft besser als Airbnb?

Auf alle Fälle. Airbnb bedeutet: Ich gehe in ein fremdes Haus und muss mich zurechtfinden. Gastfreundschaft dagegen heißt: Ich nehme Menschen auf, biete ihnen Schlafplätze und Essen an.

Zum Kirchentag nehmen Sie wieder Gäste bei sich auf?

Ich habe vier Übernachtungsplätze angeboten. Drei Gäste aus Stuttgart werden bei mir übernachten. Eigentlich kommen sie morgen, nun haben sie angefragt, ob sie schon ab Dienstag da sein können. Mittwochnachmittag geht das Programm ja schon los.

Was macht der Kirchentag mit Dortmund?

Er bringt dieser Stadt ein sehr großes Event und bietet die Chance, das Ruhrgebiet, das ein bisschen verschmäht wird, wirklich kennenlernen. Dortmund ist eine grüne Stadt, sehr gastfreundlich und offen.

Was bedeutet Ihnen der BVB?

Wenn ich zum Spiel gehe, ist der BVB eine Emotion, die ich hier im Stadion erlebe. Viele Leute gucken Spiele wegen des sportlichen Teils, andere gucken wegen des Events. Die Mischung passt einfach. Leute kommen zusammen, haben Spaß und fiebern miteinander.

Gibt es einen Fußballgott?

Fußballgott würde ich so nicht sagen. Wenn, gab es in Dortmund nur einen: Kalle Riedle.

Was haben Fußball und Kirchentag gemeinsam?

Bei beiden geht es um Gemeinschaft. Die erlebt man in der Kirche, mit verschiedenen Menschen, und diese Gemeinschaft erlebt man auch beim Fußball. Egal welcher Glauben, welche Herkunft - man erlebt etwas zusammen. Beim Fußball haben viele am letzten Spieltag der vergangenen Saison, bis zur letzten Minute noch geglaubt, wir werden Meister.

Welchen Programmpunkt des Kirchentags werden Sie nicht verpassen? Ich freue mich auf den Abend der Begegnung. Da werde ich dabei sein. Bei den anderen Punkten schaue ich, wofür sich meine Gästen interessieren, um vielleicht gemeinsam zu gehen.

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