Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Vortrag

Star Trek für Theologen

Können Marsmenschen erlöst werden? Im Planetarium in Prenzlauer Berg reisen Kirchentagsbesucher durch den Weltraum.

von Sebastian Deliga

Über den Köpfen der Kirchentagsbesucherinnen und -besucher funkeln die Sterne – tausende glänzende Lichterpunkte, viele Lichtjahre von der Erde entfernt und eigentlich unerreichbar. Doch wenn Tim Florian Horn, der Leiter des Planetariums, auf den Knopf drückt, gibt es keine Grenzen mehr: Die Kirchentagsbesucherinnen und -besucher reisen dorthin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist – mit Lichtgeschwindigkeit in weit entfernte Galaxien. Die moderne Technik des Großplanetariums in der Prenzlauer Allee macht es möglich.

Es ist einer der Geheimtipps dieses Kirchentages: „E.T. fragt: Siehst du auch mich?“ heißt die Veranstaltung mit dem etwas wunderlichen Untertitel „Über die Erlösung von Marsmenschen und anderen Kreaturen“. Das klingt nach einem 60-minütigen Science-Fiction-Programm, und tatsächlich fühlt man sich in der 360°-Projektionskuppel so, als ob Captain Kirk gleich den Befehl zum Raumschiff-Start erteilt. Passend dazu wurden futuristische Hintergrundklänge eingespielt.

Tatsächlich geht es um astronomische und theologische Grenzfragen: Um erstere kümmert sich Wissenschafts-Erklärer Horn, der erst einmal ein bisschen Sternen-Nachhilfe gibt. Abertausende Sonnen gebe es im Weltraum, durchschnittlich um jede zweite kreisten Planeten. Laut Horn ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einige davon – ähnlich wie die Erde – genau so weit von ihrer Sonne entfernt sind, dass dort Leben möglich sein könnte. Vielleicht sogar intelligentes Leben. Dann wäre die Menschheit nicht allein.

Für die theologischen Fragen, die diese These aufwirft, waren dann die entsprechenden Experten zuständig: Die Pfarrer Ulrike Garve und Lucas Ludewig spielten sich in einer Art dialogisch-lyrischem Passspiel die Bälle zu. So versuchten sie ihr Publikum an den Gedanken zu gewöhnen, dass die Existenz von Außerirdischen nicht das Ende aller Theologie bedeute. Stattdessen versuchten sie - mit aller Vorsicht - E.T. und Bibel zu versöhnen. Wenn Jesus in der kleinsten Stadt Israels in einem abgelegenen Stall geboren wurde: Wäre es dann nicht folgerichtig, wenn Gott dieses Geschehen nicht auch auf einen abgelegenen Planeten verlegt hätte, nämlich auf die Erde, irgendwo am Rande der Milchstraße? Und wie sähe E.T. eigentlich aus? Doch wohl nicht wie irgendwelche „Flubberwürmer“ aus Hollywood, so Pfarrerin Ulrike Garve. Sie orientiere sich lieber am Diktum der Gottesebenbildlichkeit: Wenn Gott die Menschen nach seinem Bilde geformt habe, warum nicht auch die Außerirdischen? Für Theologen ist E.T. also eher wie ein Mensch, als ein computeranimiertes Ungeheuer.

Ergänzt wurden die Gedanken der beiden Pfarrer immer wieder durch Ausführungen von Planetariums-Leiter Horn über den Weltraum, die die notwendigerweise sehr theoretischen Ausflüge ins theologische Grenzgebiete immer wieder erdeten und auf eine wissenschaftliche Grundlage stellten. Als die Veranstaltung nach einer Stunde zu Ende ging, hatten die Kirchentagsbesucherinnen und -besucher viele Anregungen bekommen, um weiter nachzudenken über E.T. und Theologie. Die im Programm angekündigten Fragen, ob auch Außerirdische eines Erlösers bedürfen, ob gar der Taufbefehl gegebenenfalls auf alle Spezies ausgeweitet werden müsse, blieben teilweise unbeantwortet oder gingen unter, weil sich die beiden Theologen allenfalls indirekt mit ihnen befassten und die Space-Show über den Köpfen des Publikums am Ende mehr Staunen auslöste, als vorsichtige Andeutungen. Sollte es zwischen Menschen und Außerirdischen tatsächlich einmal zum ersten Kontakt kommen, sollte E.T. zum Kirchentag eingeladen werden und selbst eine Bibelarbeit halten.

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