Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Bibelarbeit Malu Dreyer

Dem Anderen die Hand reichen

Dem unbekannten Anderen die Hand reichen – in ihrer Auslegung der Zachäus-Geschichte richtete Malu Dreyer ihr Augenmerk auf den Umgang mit Flüchtlingen und die allgegenwärtige Neiddebatte.

von Silke Roß

"Der Name Zachäus ist so bekannt, der klingt auch in unserer säkularen Welt irgendwie nach", eröffnet die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und gläubige Katholikin Malu Dreyer ihre Bibelarbeit: "und trotzdem ist es eine Geschichte, die nicht ganz einfach ist." Zachäus ist ein Geldeintreiber und damit doppelt wenig angesehen – einerseits stabilisiert sein Berufsstand das ungeliebte System der römischen Regierung und andererseits bereichert er sich schamlos an denen, die weniger haben als er.

"Und doch verändert ihn, dass Jesus ihm die Hand hinstreckt und ihn vom Baum holt – aber wie? Und warum?" fragt Malu Dreyer: "Zachäus ist ein kleiner Mann, so erzählt es der Text, aber er ist reich an Geld und Einfluss. Und hier irritiert die Geschichte mich das erste Mal: Warum will er unbedingt Jesus sehen? Warum drängelt er sich nicht einfach nach vorn und erpresst die, die vor ihm stehen mit seiner Macht? Er informiert sich über die Route, eilt voraus und klettert auf einen Baum."

Zachäus wird als Verbrecher beschrieben, seine Mitmenschen hassen und verachten ihn. Sie neiden ihm, was er hat. "Die Neiddebatte ist uns heute ja nicht fremd – dabei sind wir ein reiches Land und haben dadurch auch eine Verantwortung. Trotzdem werden Sozialleistungen für die, die von der Gesellschaft abgehängt wurden oder noch gar keine Chance hatten, sich zu beteiligen, kritisch verglichen."

Für Malu Dreyer gilt, dass vor allem die Schwachen einen starken Staat brauchen, der ihnen die Hand reicht, damit sie – wie auch Zachäus – eine zweite Chance bekommen. Das gelte auch für die Menschen, die aus anderen Teilen der Welt kommen und hier Schutz suchen: "Allein der Begriff Flüchtlingskrise beinhaltet doch das zugrundeliegende Vorurteil. Als wären es nicht Menschen, die zu uns kommen sondern eine, möglichst abzuwendende, Krise." Für diese Aussage gibt es einen spontanen Zwischenapplaus.

Besonders wichtig ist Malu Dreyer in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die Notwendigkeit des Dialogs und der Begegnung: "Es kann nicht sein, dass es nach wie vor antisemitische und anti-islamische Strömungen gibt – hier gilt es, Begegnung und Dialog für alle erlebbar zu machen.“

Wir seien als Menschen darauf angewiesen, mit Achtung behandelt zu werden, das gelte für Menschen aus anderen Kulturen, ehemalige Straftäter und uns alle, überall und insbesondere in den digitalen Medien: "Durch die gegenseitige Achtung, durch höfliche und respektvolle Begegnung gehen wir den ersten Schritt zu einer gerechteren Welt – und können anderen die Möglichkeit geben, sich der eigenen Kraft bewusst zu werden."

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