Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Gedenken zu Beginn

Flucht und Verfolgung sind allgegenwärtig

Es gehört zur Tradition des Kirchentages, vor dem eigentlichen Auftakt innezuhalten. Und sich nicht nur an Vergangenes zu erinnern: Flucht und Verfolgung sind eine historische Konstante und alltägliches Leid in der Gegenwart. Das zeigt die szenische Collage „Verfolgt. Geflüchtet. Gesehen?“

von Marlene Brey

Der Kirchentag beginnt schwarz. Eine Tote liegt auf der Bühne, ganz in schwarz. Der Chor umringt sie singend, ganz in schwarz: „Wo ist ein Mensch, wenn er umgekommen und dahin ist?“ Die Wolken hängen tief über dem alten Flughafen Tempelhof in Berlin. Der Kirchentag beginnt düster, denn noch vor der offiziellen Eröffnung gedenkt der Verfolgten und Geflüchteten.

In der szenischen Collage „Verfolgt. Geflüchtet. Gesehen?“ werden in fünf Akten Texte aus vergangenen Tagen präsentiert, die erschreckend aktuell wirken. „Der verdammte Krieg ist endlos. Manche Leute sagen, er werde in diesem Jahr zu Ende gehen. Ich glaube nicht daran. Man sagt es jedes Jahr.“ Was nach dem Krieg in Syrien klingt, hat Georg Schumann 1914 geschrieben. „Es gibt immer wieder neue Schichten der Erinnerung“, sagt Regisseurin Ines Koenen. „Verfolgt. Geflüchtet. Gesehen?“ wurde speziell für den Kirchentag konzipiert, für nur eine einzige Aufführung. „Es ist Tradition des Kirchentages, mit dem Gedenken zu beginnen,“ sagt Koenen.

Der Schauplatz am nördlichen Rand des Tempelhofer Feldes in Berlin ist historisch vielschichtig. Hier stand das nationalsozialistische Konzentrationslager KZ Columbia. Auch polnische Zwangsarbeiter haben hier gelebt. Später wurde der Flughafen Tempelhof dort gebaut. Mit der Luftbrücke 1948/49 während der Blockade wurde er zum emblematischen Ort. Heute sind in den stillgelegten Hangars Geflüchtete untergebracht.

„Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustande wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustande kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und dennoch nicht anerkannt wird.“

Diese Zeilen stammen von Bertolt Brecht. Etwa 150 Menschen hören sie an diesem Tag vor dem Haupteingang des alten Flughafens. Nicht weit entfernt, in Hangar 5, befindet sich das Ankunftszentrum für Geflüchtete, in dem noch immer Menschen eintreffen, die auf der Flucht sind. „Wir wollen die Leute berühren“, sagt Koenen dazu.

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