Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Topographie des Terrors

Über das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

In der Berliner Topografie des Terrors beschäftigt sich eine Sonderausstellung mit Martin Luther im Nationalsozialismus. Eine Lesung über die Anfänge der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte in Dachau vor 50 Jahren zeigt, dass die Diskussion über Gedenken nicht neu ist.

von Birte Mensing

"Der Geist, der Dachau vor 35 Jahren möglich gemacht hat, ist nicht tot. Informationsträgheit begünstigt – damals wie heute – Gewalt und Unmenschlichkeit", schrieb Herbert Römpp, Vikar an der Dachauer Versöhnungskirche, 1968 in sein Tagebuch.

Damals gab es Leserbriefe in denen sich Dachauer beschwerten, dass die Stadt Dachau zum Südenbock gemacht werde. Dass es nicht angemessen wäre, den Ort zum Sinnbild für die Verbrechen zu machen.

Der damalige Pfarrer der Versöhnungskirche, Christian Reger, war selbst Häftling im Konzentrationslager gewesen und erwiderte den Dachauern: "Was wir, die ehemaligen Schutzhäftlinge im Gedenken an unsere toten Leidensgenossen tun, geht Sie nichts an. An ihre Stadt haben wir beim Totengedenken herzlich wenig gedacht. Sie ist unwichtig. Wichtig waren, sind und bleiben uns die toten Leidensgefährten und Freunde."

Das mussten nach und nach auch noch die Vertreter der Kirche lernen. Ein pensionierter CVJM-Jugendwart schrieb: "Es sollte alles getan werden, dass die schrecklichen Photos aus dem Museum entfernt werden. Kein Volk der Welt stellt seine dunkelste Geschichte für andere aus."

Die Worte Christian Regers galten damals und bleiben gültig. Und können Anlass sein, auch den Umgang mit Opfern anderer Verbrechen zu überdenken: die Überlebenden in den Mittelpunkt des Gedenkens stellen, sich selbst zurücknehmen und zuhören.

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