Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Bibelarbeit Antje Jackelén

Einblick in ein dynamisches Familienleben

"Versöhnung kostet – auch für Gott", Antje Jackelén, Erzbischöfin der Ev.–Luth. Kirche von Schweden, über Verantwortung und das moralische Universum.

von Silke Roß

"Der Auferstandene wird nicht an seiner Herrlichkeit erkannt, sondern an seinen Wunden", sagt Antje Jackelén, "und auch wir wissen, dass Versöhnung immer etwas kostet – zunächst vor allem Überwindung." Die schwedische Erzbischöfin kam direkt aus Südafrika zum Kirchentag und verwies daher auf die besonderen südafrikanischen Erfahrungen im Umgang mit Wahrheit und Vergebung: "Nicht alle Wahrheiten konnte die Wahrheits- und Versöhnungskommission aufdecken und nicht jede Versöhnung gelingt. Aber der Weg dahin, die Arbeit daran, geben uns Hoffnung".

Dabei müsse es nicht die Hoffnung auf ein Happy End sein, denn das könne es geben, müsse es aber nicht. Das zeige auch die Geschichte von Jakob und Esau – Jakob, eher ein "Muttersöhnchen" und Esau, eher ein "Outdoor-Typ" kommen letztendlich auch nicht zu einem Happy-End.

Viel gewonnen hat Jakob nicht

Jakob habe Esau mehrfach betrogen, er habe sogar den doppelten Segen des Vaters erschlichen – aber viel gewonnen habe er nicht: "Er hatte Angst um seine Familie, seine Güter und sein Leben – da können wir maximal vermuten, er habe durch den doppelten Segen vielleicht den Mut gewonnen, sich mit seinem Bruder zu versöhnen."

Als Jakob seinem Bruder begegnet, laufen sie aufeinander zu und weinen miteinander: "Tränen heben die Möglichkeit einer neuen Beziehung aus der Taufe", so Antje Jackelén. "Aber nicht jede Beziehung bedeutet, dass die Beteiligten fortan glücklich beieinander wohnen."

Was Ubuntu bedeutet

In Südafrika habe sie "Ubuntu" kennengelernt – eine Überlegung, die sich Menschen mit europäischer Sozialisation nicht sofort erschließe: "Ubuntu bedeutet, dass jede Tat eine Verbindung zwischen Täter und Opfer schafft, denn beide verlieren einen Teil ihrer Menschlichkeit. Dieses Bild macht Versöhnung zur existentiellen Aufgabe in einem moralischen Universum." Versöhnung müsse also nicht nur eine gedachte Strategie, sondern auch eine spirituelle Geisteshaltung sein.

Die Arbeit an Versöhnung bedeute rein lutherisch die Abkehr von sich selbst und die Hinwendung zu einem offenen Denken – daraus lasse sich schließen, dass es verschiedene Stadien des Versöhnungsprozesses geben könne – von der diffusen Sehnsucht nach Gott, der Erfahrung, ihn verborgen zu erleben bis zur Heiterkeit des seelischen Aufatmens. "Der Glaube hat seine Wüstenzeiten – aber letztendlich werden alle Passionswege von Gottes Liebe getragen."

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