Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Mittags auf dem Gendarmenmarkt

Weiße Tafeln der Religionen

Über 250 Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften wirken in Berlin. Der Initiativkreis 'Lange Nacht der Religionen' bittet sie alle einmal im Jahr auf dem Gendarmenmarkt zu Tisch. Im Kirchentags-Jahr kommen besonders viele.

von Martin Heppke, Janine Kiechl und Beatrice Steineke

„Weiß ist in vielen Religionen eine sehr repräsentative, sehr aufgeladene Farbe, die für Reinheit und etwas Positives steht", sagt Tabea Perger vom Initiativkreis 'Lange Nacht der Religionen'. In fast jeder Religion habe diese Farbe eine Symbolkraft und genau deshalb seien die weißen Tischdecken für diese besondere Tafel genau richtig.

Schon zum vierten Mal deckt der Initiativkreis auf dem Gendarmenmarkt lange Tafeln ein. Christen, Buddhisten, Muslime, Juden, Hindus, Pagane, Gläubige von Candomblé, Sikhs sollen hier zusammenkommen. Normalerweise sind es 15 Tische - wegen des parallel stattfindenden Kirchentages werden dieses Jahr 105 aufgebaut. Während viele eifrige Helfer schwere Tische schleppen, erzählt Tabea Perger wie wichtig es sei, dass die Menschen bei dem gemeinsamen Essen miteinander statt übereinander reden. Außerdem sei der Abend immer wieder eine tolle Gelegenheit, Menschen außerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft kennenzulernen.

Auf den langen Tafeln steht Wasser und Fladenbrot, aber viele haben auch noch selbst etwas von Zuhause mitgebracht. So auch Gitta und Anni, zwei befreundete Berlinerinnen. Sie schneiden Kuchen an, schmücken Tische und freuen sich auf das Essen, denn „Jesus hat ja auch immer an langen Tafeln gegessen“, lacht Gitta. Ihre Freundin Anni findet, dass religiöse Vielfalt und Harmonie Hand in Hand gehen sollen. Gerade weil dies in der Welt oft nicht der Fall ist, sei es umso wichtiger, sich dafür in Berlin einzusetzen.

Plötzlich springen sie von ihren Holzbänken auf und begrüßen bekannte Gesichter. Die Berliner Gruppe des Vereins „Sikh Verband Deutschland e.V.“ ist angekommen. Ranjit, eine kleine Frau im rosa-orangen Kleid, umarmt Gitta und Anni mit einem großen Lächeln. Sie ist gerne hier. Auch weil es ihr der Glaube gebietet: „Wir müssen teilen!“

Das Mittagessen an den weißen Tafeln ist die Auftaktveranstaltung zur Langen Nacht der Religionen, in der viele Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel in Berlin ihre Türen für neugierige Augen und Ohren öffnen. Dabei sollen die Besucher eine ganze Nacht miteinander teilen und sich über Glauben und ihre Religion austauschen. Offenheit schafft Respekt. Das ist das Ziel. Und vielleicht ja auch der Weg dahin.

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.