Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Obama und Merkel

'Junge Menschen müssen sich einbringen'

Vor dem Brandenburger Tor sprechen Obama und Merkel mit jungen Menschen aus Chicago und Mannheim über Demokratie, Engagement und Verantwortung.

von Laura Eßlinger

Über Stunden haben zehntausende Menschen gespannt gewartet, um ihn zu sehen. Als Barack Obama dann mit Kanzlerin Angela Merkel auf die Bühne vor dem Brandenburger Tor tritt, begrüßt ihn die Menge, als sei er noch immer Präsident der Vereinigten Staaten. "First of all: Guten Tag! Schön, in Berlin zu sein", ruft Obama der jubelnden Menge auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag zu.

Es ist Obamas erster Berlin-Besuch im Ruhestand, der ihm gut zu bekommen scheint. "Ich liebe nicht nur diese Stadt. Neben mir sitzt Angela Merkel, die eine meiner liebsten Partnerinnen während meiner Präsidentschaft war."

Bei der Gesprächsrunde, an der auch vier junge Menschen aus Chicago und Mannheim teilnehmen, sprechen Obama und Merkel über Demokratie und Verantwortung, vor allem aber über Engagement. "Die Welt ist sehr kompliziert geworden und es gibt furchtbare Gewalt", sagt Obama mit Blick auf den Anschlag in Manchester. "Die internationale Ordnung steht am Scheideweg." Mehr denn je müssten Gräben zwischen Völkern und Religionen überwunden werden. Vor allem junge Menschen sollten sich für Frieden und Gerechtigkeit aktiv einsetzen.

Obama ist stolz auf seine Arbeit

Natürlich müssten Politiker wie er und Merkel durch ihre Entscheidungen dafür sorgen, den Bürgerinnen und Bürgern ein gutes Leben zu ermöglichen. "Trotzdem muss auch ich anerkennen, dass man nicht alles erreichen kann, was man sich vornimmt", sagt Obama etwa mit Blick auf die in seiner Amtszeit nur teilweise umgesetzte Gesundheitsreform. Dennoch sei er "sehr stolz" auf seine Arbeit.

Beim Umgang mit geflüchteten Menschen stellt sich Obama hinter Merkel. Die Weltgemeinschaft müsse sich in diesen Zeiten solidarisch zeigen, selbst wenn die Ressourcen einzelner Staaten begrenzt seien. Merkel wiederholte in diesem Zusammenhang aber auch ihre Aussage, dass nicht alle Geflüchteten bleiben können. "Das gehört zu den schwierigsten Themen für mich als Kanzlerin."

Besonders die junge Generation rufen Obama und Merkel zu aktivem Engagement auf. "Junge Menschen haben heutzutage ganz andere Chancen als zu der Zeit, als Angela und ich geboren wurden", sagt Obama. Die Errungenschaften für die Freiheit des Einzelnen, der Religionen und der Presse - all das nähmen junge Menschen heutzutage oft für zu selbstverständlich an.

Nach vorne schauen

Dabei appelliert Merkel, auch für das zu kämpfen, was zunächst unmöglich erscheint. "Als die innerdeutsche Mauer gebaut wurde, kam ich in die Schule. Ich hatte schon geplant, wie ich erst mit Eintritt ins Rentenalter nach Amerika reise", erzählt die Kanzlerin. "Es ist dann doch früher passiert." Natürlich bestehe Geschichte auch aus Rückschlägen, man müsse aber nach vorne schauen.

Nach vorne schaut nach acht Jahren Amtszeit auch Barack Obama. Auf die Frage des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, was Obama nun mit seiner freien Zeit mache, antwortete der Präsident a.D.: "Ich versuche, mehr Zeit mit meiner Frau Michelle und meinen Töchtern zu verbringen und treffe Freunde."

Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au wollte wissen, wie es die beiden Politiker mit der Religion halten. Amerika sei ein multireligiöses Land, sagt Obama. Klar sein müsse, dass jeder immer nur einen Teil der Wahrheit sehe und es in einer Demokratie unterschiedliche Ansichten und Glaubensrichtungen gebe. "In meinem eigenen Glauben pflege ich, immer ein bisschen zu zweifeln", so Obama. Für Merkel bedeutet christlicher Glaube, dass es etwas über ihr gebe und dass ihre Fähigkeiten endlich seien. "Ich weiß, ich mache auch Fehler. Das gibt mir eine gewisse Demut, an Dinge heranzugehen."

Merkel weicht aus

Zum Schluss stellen vier junge Menschen Fragen an Obama und Merkel. Sozialarbeiterin Filiz-Marleen Kuyucu aus Ludwigshafen will wissen, was die Politik jetzt konkret tun kann, um weitere Opfer bei der Flucht über das Mittelmeer zu verhindern. Merkel weicht aus, verweist auf das Abkommen mit der Türkei und fordert mehr Engagement gegen Schlepper. Obama ergänzt: "Wir werden das Leid nicht über Nacht abschaffen können. Wir müssen aber künftig Konflikte verhindern, die solche Krisensituationen hervorrufen." Sierra Sims, Lehrerin in Chicago, möchte von Obama und Merkel hören, wie sie mit den Ungleichheiten in den Bildungssystemen umgehen. "Bisher fehlte der politische Wille, an diesen Ungerechtigkeiten etwas zu ändern", sagt Obama über die Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland gebe es noch viel zu tun, bekräftigt Merkel.

Und trotz aller Herausforderungen lässt Obamas Auftritt vor dem Brandenburger Tor Zuversicht zu. Es ist für viele das Highlight des Kirchentages, auch wenn dieser gerade erst begonnen hat.

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.