Mein Kirchentag
Interreligiöses Frauenmahl

Sehen und gesehen werden

Frauen gestalten Religion und Politik - doch die Situation ist in Judentum, Islam, evangelischer und katholischer Kirche recht unterschiedlich, wie bei einem interreligiösen Frauenmahl deutlich wurde.

von Silke Roß

In vielen Punkten sind alle auf einem Weg - wenngleich an unterschiedlichen Wegmarken. Deutlich machten das vier Theologinnen in ihren jeweiligen Glaubenskontexten.

Die Berliner Rabbinerin Ulrike Offenberg beispielsweise nahm die anwesenden knapp 400 Frauen mit in die Situation ihrer Kongregation. "Im Judentum werden Frauen zur Rabbinerin ordiniert – trotzdem gibt es meines Wissens keine in Vollzeit in einer Gemeinde tätige Rabbinerin." Den Grund sieht sie indes nicht in der Religion selbst, sondern in deren traditionell männlich dominierter Auslegung und Tradition.

Ähnliches stellt auch die muslimische Religionspädagogin Elif Medeni aus Wien fest: "In der frühen Geschichte des Islam spielten Frauen eine ganz erhebliche Rolle." Es sei überliefert, dass die Frau des Propheten irgendwann die Frage stellte, warum Gott sich nur an Männer wende. Kurz darauf erhielt der Prophet ein Zeichen, dass die Worte Gottes an Frauen und Männer gerichtet seien – in der arabischen Sprache macht das einen Unterschied. "Trotzdem", so Medeni weiter, "werden Frauen heute am Gebet an der Kaaba behindert – obwohl die älteste Moschee in Medina keine getrennten Gebetsräume vorsah". Auch hier habe die männliche Auslegung das Ursprüngliche überlagert.

"Obwohl in der lutherischen Kirche in Deutschland die Frauenordination überhaupt nichts Besonderes mehr ist", wie die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann in ihrem Beitrag betont, "können wir uns nicht entspannt zurücklehnen: In Lettland ist gerade die Frauenordination abgeschafft worden, und der richtige Aufschrei ist nach meinem Empfinden ausgeblieben."

Gemeinsam mit der katholischen Theologin Prof. Dorothea Sattler aus Münster stellte sie die christliche Situation dar. "In der katholischen Kirche besetzen Frauen mittlerweile viele auch hochrangige Ämter", führte Sattler aus. "Aber durch den Ausschluss von geistlichen Leitungspositionen sind sie an wichtigen Entscheidungen und Entwicklungen nicht beteiligt."

Umrahmt wurden die Wortbeiträge von mehreren Gängen eines Menüs und gesanglichen Interpretationen religiöser Stücke.

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