Mein Kirchentag
Familienpolitik

Vielfalt braucht Unterstützung

Welche staatlichen Unterstützungen brauchen Familien? Familienministerin Manuela Schwesig und Linken-Vorsitzende Katja Kipping präsentieren ihre Konzepte. Einen konkreten Plan bleiben sie schuldig.

von Shea Westhoff und Paul Hildebrandt

Familie ist ganz schön kompliziert. Das gilt nicht nur für Eltern und Kinder, sondern auch für die Politik. Eltern sollen arbeiten können – aber sich eben auch um ihre Kinder kümmern. Wie kann man das fördern? Die Antwort besteht in Deutschland aus 156 Leistungen. Sie heißen zum Beispiel: Elterngeld Plus, Familienzuschuss oder "beitragsfreie Mitversicherung". Ein Stückwerk aus Hilfeleistungen – viele Eltern kommen damit nicht zurecht.

Respekt für verschiedene Lebensmodelle

"Es ist richtig, verschiedene Leistungen zu haben", sagt Familienministerin Manuela Schwesig am Donnerstagmorgen im Gender-Haus in Friedrichshain. Sie steht hinter einem Pult mit Regenbogenflagge und verteidigt die Familienpolitik der letzten vier Jahre. Thema der Veranstaltung: Wie kann man Familien sinnvoll unterstützen? Vor ihr sitzt die Linken-Vorsitzende Katja Kipping und Annette Widmann-Maus von der Frauen Union. Beide sollen später auf dem Podium über die Familienförderung diskutieren. Familie, sagt Schwesig jetzt, ist aber kein starres Konzept, sondern vielfältig: Menschen, die sich entschieden haben, füreinander Verantwortung zu übernehmen, seien ebenso eine Familie wie Vater-Mutter-Kind. "Du siehst mich", sagt sie, "heißt auch: Respekt für verschiedene Lebensmodelle."

Darüber sind sich heute auch alle einig. Wirkliche politische Kontrahentinnen und Kontrahenten wurden nicht eingeladen. Das Problem sehen die Diskutierenden deshalb auch woanders: Selbst die 156 Leistungen reichen nicht aus, um den unterschiedlichen Familiensituationen gerecht zu werden. "Was passiert mit einem Scheidungskind, dessen Eltern beide von Hartz IV leben?", fragt Katja Kipping. Nach dem jetzigen Modell müssten sich beide Eltern die Zuschüsse aufteilen. Konkret bedeutet das: Einem Kind stehen beispielsweise nur ein Paar Gummistiefel zu. Was aber macht das Kind, wenn es regnet und die Stiefel beim anderen Elternteil sind? Kippings Antwort darauf: Noch mehr Leistungen, sie will einen "Umgangsmehrbetrag".

Wie kann man die Programme vermitteln?

Es bleibt also kompliziert. Das finden auch zwei eingeladene Journalistinnen. "Ganz ehrlich: Da steige ich nicht durch", sagt die Vorsitzende der Katholischen Journalistenschule Claudia Nothelle. "Wie kann man diese Konzepte wirklich verständlich machen?" Die Politik schaffe es nicht, ihre Programme zu vermitteln. Wenn aber die Gesellschaft dieses Hilfesystem nicht durchblickt – wie sollen Betroffene dann davon profitieren? Darauf finden die Diskutierenden heute keine befriedigende Antwort.

Die großen gesellschaftlichen Fragen werden bei der Diskussion schließlich ausgespart. Kein Wort dazu, dass Teile der Union zum Beispiel die Homo-Ehe ablehnen – oder Frauen trotz der vielen Zuschüsse immer noch in den meisten Fällen die Kindererziehung in Familien übernehmen. Die Wirtschaft, sagt Widmann-Maus, müsse sich dafür eben mehr bewegen. Wie das passieren soll, erklärt sie nicht. Was am Ende auffällt: Fünf der sechs Personen, die am Ende auf der Bühne diskutieren, sind Frauen. Auch das zeigt, wie weit die gesellschaftliche Realität noch von ihren Idealvorstellungen entfernt ist.

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.