Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
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Bibelarbeit

Die aufmüpfige Maria

Maria ist die einzige Frau, die im Koran namentlich erwähnt wird. In der christlichen Tradition wird ihre Widerspenstigkeit gegen das Gegebene unterschätzt. Eine Imamin und eine Bischöfin verhandeln.

von Rabeya Müller, Bärbel Wartenberg-Potter und Birte Mensing

„Mächtige stürzt sie von den Thronen“, heißt es in der Kirchentagsübersetzung für die Bibelarbeit am Donnerstag. Es ist Maria, die hier spricht. Nach der Dialog-Bibelarbeit von Imamin Rabeya Müller und Bischöfin i.R. Bärbel Wartenberg-Potter könnte man auch denken, dass hier über Maria gesprochen wird.

Im Koran ist Maria die einzige Frau, die namentlich erwähnt wird. Und das auch noch an vielen Stellen. Denn immer, wenn ihr Sohn Jesus erwähnt wird, heißt es: Issa ibn Mariam – Jesus, Sohn von Maria. Schon die Geburt von Maria steht im Koran in einem besonderen Kontext. Marias Mutter wendet sich an Gott: Ich habe hier ein Mädchen geboren, nimm es in deine Obhut. Das kleine Mädchen wächst so schon im vollen Vertrauen auf, dass Gott ihm das gibt, was es braucht. Als Maria dann selbst ein Kind bekommen soll, ist sie skeptisch; aber sie nimmt die Herausforderung an.

Dass die Namen anderer Frauen im Koran nicht vorkommen, ist für Rabeya Müller keine Geringschätzung, sondern eine Fokussierung auf deren vorbildliches Handeln. „Namen sind Schall und Rauch, auf die nachhaltige Wirkung kommt es an.“

Das ist das Stichwort für Bärbel Wartenberg-Potter. Maria ist für sie nicht die unterwürfige Maria, wie sie in der christlichen Tradition beschrieben wird. Denn der Name Maria wird zurückgeführt auf eine Wurzel, die entweder füllig, rund oder mild heißen kann, aber auch provozierend oder widerspenstig. „Was ist aus der aufbegehrenden Maria geworden?“, fragt Wartenberg-Potter. Maria ist präsent, wird von Gott gerufen, sie zweifelt, und wird dann bestärkt von ihrer Freundin Elisabeth, die auch schwanger ist. Diese Freundschaft unter Frauen, das Einander-Beistehen in der Schwangerschaft, das hat Wartenberg-Potter selbst erlebt: Marie hat sie begleitet, als sie ein krankes Kinder geboren hat und im Krankenhaus lebte. Sie wurde in die Familie aufgenommen, getröstet und bestärkt.

Zur Solidarität rufen beide Bibelarbeiterinnen auf. „Lasst uns zusammenstehen und gemeinsam Unglaubliches tun“, fordert die ehemalige Lübecker Bischöfin. „Der beste Kampf ist ein wahres Wort in der Gegenwart eines ungerechten Machthabers“, zitiert die Imamin den Koran. Die Nachbarinnen aus Köln werden das gemeinsam tun.

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