Mein Kirchentag
Bibelarbeit

Vertrauen auf die Kraft des Glaubens

Neues wagen und bereit sein, Veränderung zu gestalten, und dabei vertrauen auf die "bewegende Kraft des Glaubens" – dazu hat die Grünen-Bundespolitikerin Katrin Göring-Eckardt in ihrer Bibelarbeit ermutigt.

von Rolf Masselink

In ihrer Bibelarbeit zum Vers 1,39-56: "Maria und Elisabeth begegnen sich" aus dem Lukas-Evangelium setzte Katrin Göring-Eckardt sich mit den aktuellen Bezügen einer Geschichte über "zwei Frauen jenseits des Mainstreams" auseinander. Für die frühere Kirchentagspräsidentin, wie schon für Martin Luther, ein zentraler Text der Bibel.

In ihm gehe es um "zwei Frauen, die alles andere als im Mainstream waren". Beide sind schwanger: Die eine, Maria, zu jung und ohne Mann. Die andere zu alt und schon lange jenseits aller Hoffnung, noch mal schwanger zu werden. Für die eine ist die Schwangerschaft eine Zumutung, für die andere die unerwartete späte Erfüllung eines Traums. Für beide eine massive Veränderung ihres Lebens mit ungewissen Konsequenzen.

Diese beiden "Randgruppenfrauen" treffen in der Lukas-Geschichte aufeinander und reden über sich und die Welt. Und so ängstlich sie sind, sie machen sich auf und ziehen raus aus der Angst.

In dieser Geschichte gehe es, so Göring-Eckardt, ganz grundsätzlich um eine ewige Hoffnung der Menschheit: die Hoffnung auf Verwandlung aller Verhältnisse, die "immer wieder bis heute ersehnt und erbetet, auch erarbeitet und erstritten werden muss". Das Loblied der Maria entwerfe "eine Zukunftsvision, die auch uns heute berührt, motiviert und orientiert", nämlich "die Verheißung einer großen Umkehr der Verhältnisse".

Für Göring-Eckardt ein Frauenthema, ein Randgruppenthema und so zugleich ein politisches Thema. In dieser biblischen Geschichte – und nicht nur in dieser – sagten Frauen das Wesentliche. Ihr Handeln, ihr Glaube sei entscheidend. "Und heute würden sie sich wohl pinkfarbene Mützen stricken und gegen die Machos und Frauenverächter dieser Welt auf die Straße gehen, zuallererst in Washington", so die Politikerin unter dem Beifall Hunderter Zuhörer.

Die Botschaft der Geschichte stecke, so Göring-Eckardt, "gerade im Trotzdem". Maria habe auf Gott vertraut, obwohl sie zuerst weder aus noch ein wusste. "Starke Frau, diese Maria." Einkehr bei Gott heiße "Stärke von innen heraus". Maria fühle sich "angesehen von Gott, wahrgenommen und schließlich gerettet aus unerträglicher Situation".

Wie wirkt Gott heute? Zeichnet christlicher Glaube nicht ein irreales, irrationales Wunschbild, etwas für Träumer, Visionäre, Spinner, Gutmenschen?

Dagegen setzt Katrin Göring-Eckardt die Kraft des Glaubens – und die Bereitschaft, danach zu handeln: "Einkehr bei Gott heißt, das Unmögliche für möglich zu halten." Und Hinwendung zur Welt heiße, das unmöglich Erscheinende auch zu tun. "Seien sie bereit, ihre Gewissheit in Frage zu stellen. Egal wie verrückt es scheint, egal wie sicher Sie sich eigentlich sind", rief sie ihren Zuhörerinnen und Zuhörern zu.

Christinnen und Christen seien "nicht die besseren Menschen". Aber sie wollten "etwas besser machen". Sie hätten die Freiheit, die Welt zu verändern. Den Wandel der Welt halte man nicht durch Obergrenzen (für Flüchtlinge) auf und nicht durch Leitkulturdebatten. Es müsse darum gehen, dass wir die Hand ausstrecken. Göring-Eckardt: "Wir haben die Wahl. Verzagen wir zusehends und lassen wir uns von der Angst bestimmen? Oder gestalten wir den Wandel und wagen wir Neues?" Sie forderte den Mut zum Gestalten. "Dazu gehört: zu streiten, bedacht und klug Entscheidungen zu treffen, auch Kompromisse einzugehen. Standhaft zu bleiben und nicht einzuknicken, was unsere Demokratie und unsere Werte betrifft. Klare Kante zeigen, wenn jemand mit Hass, Hetze und Gewalt kommt, egal ob sie aus Dresden kommt oder er aus Damaskus."

Katrin Göring-Eckardt entließ ihre große Zuhörerschar mit der Empfehlung, bei den Plänen für Veränderungen nicht kleinmütig zu sein, sondern "eher Mariatreu": große Verheißung und liebevolles, größenangemessenes Handeln. "Vertrauen wir auf die bewegende Kraft des Glaubens."

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