Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Bibelarbeit Lensa Gudina

Angesehen sein gibt Würde

Eine Bibelarbeit mit dem Oberthema "Maria besucht Elisabeth" – diese eine Begegnung zu thematisieren, reichte Lensa Gudina nicht. In ihrer Bibelarbeit nahm die Menschenrechtsaktivistin aus Äthiopien verschiedene Frauen der Bibel in den Blick:

von Silke Roß

Hagar, aus deren Geschichte die Losung des Kirchentages stammt, Maria Magdalena, deren Hinwendung zu Jesus ihre besondere Stellung begründete und Maria und Elisabeth, zwei Frauen, die auf seltsame Weise schwanger wurden.

"Von Gott angesehen zu sein, gibt Hagar eine Würde", so Gudina: "Sie erhebt ihr Gesicht, schreitet weiter aus und ist voller Kraft und Elan – denn sie, die nicht mal mit ihrem Namen angesprochen wurde, weiß jetzt, dass ihre Nachkommen so viele sein werden, dass man sie nicht zählen kann."

Die einsame, schwangere Flüchtlingsfrau, die durch die Wüste wandert, ist plötzlich jemand – sie singt ihr Loblied und die Wüste blüht auf.

Ähnliches passiert Elisabeth. In einer Zeit, in der eine Frau ohne Nachkommen im Prinzip umsonst gelebt hat, immer dem Verdacht ausgesetzt, kein gottesfürchtiges Leben geführt zu haben – wie sonst ließe sich Kinderlosigkeit als Strafe begreifen? Ausgerechnet sie wird doch noch schwanger, denn Gott hat sie "angesehen".

Maria Magdalena, die Frau, die sich Jesus zugewandt hat, die trotz der Ablehnung durch die Jünger Jesu ihm weiterhin nachgefolgt ist – im Leben und Tod: Auch sie wird von Gott angesehen und dadurch zu einer Person, die etwas zu sagen hat.

"Die Geschichten dieser Frauen zeigen den Wandel durch Gottes Aufmerksamkeit, durch ihr Wissen um seine Zuwendung", erklärt Lensa Gudina: "Etwas andere Folgen hat die göttliche Zuwendung für Maria: Jung, unverheiratet, schwanger. Was werden ihre Eltern sagen, ihre Freundinnen? Wie reagiert der Verlobte – verstößt er sie, erwartet sie der grausame Tod durch die Steinigung?" Eine prekäre Situation für die junge Frau.

Das mache sich, sagt Lensa Gudina, auch an den unterschiedlichen Liedern der Frauen fest: "El-Roi, das Loblied Hagars, klingt ganz anders als das Magnificat. Das ist kein jubelndes Loblied". Aber Gott sieht auch Maria in ihren Alpträumen und schlaflosen Nächten, und er führt sie zu Elisabeth, der Frau, der sie vertrauen kann, weil sie ihre Geschichte teilt. Die Frauen verbindet die Erfahrung, göttliche Kinder zu gebären und aufzuziehen – und sie sind nicht mehr allein.

"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", lautet Jesu Verheißung: Miteinander zu sein, in friedlicher Beziehung zusammen zu stehen – das bringe den Frieden Gottes, seine Gnade und seinen Segen in unser Leben, schließt Lensa Gudina.

Lensa Gudina ist die Tochter des äthiopischen Theologen Gudina Tumsa, Generalsekretär der Evangelischen Kirche Mekane Yesus in Äthiopien. Er wurde 1979 von Soldaten der Derg ermordet und gilt als Bonhoeffer Äthiopiens. Gemeinsam mit ihrer Schwester Aster leitet Lensa Gudina die Gudina-Tumsa-Stiftung, die zur Fortsetzung seiner Arbeit von ihnen gegründet wurde.

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