Mein Kirchentag
Bibelarbeit

Engagement in der Welt - als Christ oder Atheist

Können Christen und Atheisten gemeinsam aktiv sein? Das diskutieren die Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au und der Berliner Kultursenator der Linken, Klaus Lederer.

von Rachelle Pouplier

Als die schwangere Maria die ebenfalls schwangere Elisabeth besucht, fühlt Elisabeth das Kind in ihrem Leib hüpfen. Sie erkennt das Wirken des Heiligen Geistes. Maria ist erleichtert, und singt einen Lobgesang auf Gott, das Magnificat. Klaus Lederer sieht sich als Atheist, doch ist dieser Bibelvers für ihn "wie ein Stück gemeinsame Geschichte, die uns alle verbindet".

Haben Bibeltexte, wie dieser auch einen Nicht-Gläubigen, wie Klaus Lederer geprägt, will Christina Aus der Au wissen. "Ich sehe das Christentum als Bewegung, die auf der Seite der Armen steht." Es engagiere sich gegen Ungerechtigkeiten, Diskriminierung und teile eine humanistische Grundhaltung, in der er sich wiederfinden könne. "Für mich reicht es aber nicht, zu klagen und auf Gott zu hoffen", sagt Lederer. Man müsse kämpfen gegen Rassismus und die Missstände der Welt, müsse seine Werte gegen den Fundamentalismus verteidigen.

Jeder kann einen Beitrag leisten

Christina Aus der Au weist daraufhin, dass Fundamentalismus nicht nur religiös, sondern auch säkular motiviert sein kann. Außerdem wäre es für zwei schwangere Frauen, wie Maria und Elisabeth, in ihrer Situation schwierig gewesen zu kämpfen. Hier käme die Kirche ins Spiel.

Jeder, sagt Klaus Lederer, könne auf seine oder ihre Art und Weise einen Beitrag leisten – ob man körperlich anpacke, auf Demos oder zu Gottesdiensten gehe und sich über die Welt unterhalte. Mit dem zweiten Teil des Verses, Mariens Lobgesang an Gott, kann Lederer eher weniger anfangen, sagt er. Denn wieder sei ihm das Hoffen auf Gott fremd. Aus der Au weist auf die Wichtigkeit des Lobgesangs hin: "Mein Innerstes lobt Gott", zitiert sie. Denn Gott ist einer, mit dem man rechnet.

"Die Sünde des Menschen liegt nicht darin, dass er zu viel Torte isst oder fremdgeht", so Aus der Au: "Die Sünde des Menschen ist, dass er in sich verkrümmt und nur noch sich selber sieht." Solange der Mensch sich nicht selbst befreie, könne er auch gar nicht offen werden, für das, was um ihn herum ist. Gott komme also noch vor dem eigenen Aktiv-werden. Wir alle müssen einander ansehen und herausfinden, was uns gemeinsam trägt, findet Aus der Aus. Das gelte für Christen und Nichtgläubige zugleich. Dem konnte sich Lederer gut anschließen.

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