Schwer- und Höhepunkte

Jochen Bohl, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
Der Kirchentag ist für unsere Landeskirche eine Herausforderung, eine große Chance und eine Freude zugleich.
Zunächst einmal ist er selbstverständlich eine Herausforderung. Allein ausreichend Quartiere bereit zu stellen, ist für unsere Kirchgemeinden eine Aufgabe, der sie sich mit Phantasie und Engagement stellen, die sie aber auch in einem hohen Maße beansprucht. Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang auch der Abend der Begegnung, der von Gemeindegruppen aus ganz Sachsen gestaltet wird und die Feierabendmahle sowie die Kirchen, in denen Veranstaltungen des Kirchentags angeboten werden. Das ist schon eine Herausforderung. Ich sehe aber einen großen Willen unserer Kirchgemeinden wie der ganzen Landeskirche, im Juni gute Gastgeber für die Besucher des Kirchentags aus ganz Deutschland und vielen Ländern der Ökumene zu sein. Ich freue mich auch über die Unterstützung, die uns durch den Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden, aber auch durch Institutionen und Vereine und viele einzelne Menschen außerhalb unserer Landeskirche gewährt und zugesagt worden ist. Das hilft uns, die Herausforderungen zu bewältigen.
Der Kirchentag ist vor allem aber eine große Chance. Viele Menschen – in Ost vielleicht noch ein wenig mehr als in West – haben ein Bild von einer altmodischen und alt gewordenen Kirche. Hier in Sachsen, wo wir als evangelisch-lutherische Christen nur noch ein gutes Fünftel an der Bevölkerung sind, haben manche Familien schon seit drei bis vier Generationen keinen Kontakt mehr zur Kirche und haben daher kein Bild von Kirche, das aus einem persönlichen Erleben heraus entstanden ist. Wie schon in den letzten Monaten
wird es im Vorfeld des Kirchentags u. a. bei der Vorbereitung der Veranstaltungen zu einer Fülle von Begegnungen zwischen Christen und Nichtchristen kommen. Hier sehen wir die große Chance, dass Menschen ihr Bild von Kirche verändern werden. Das gilt dann ganz besonders für den Kirchentag selbst. Die fünf Tage im Juni sind eine wunderbare Möglichkeit zu zeigen, wie Kirche wirklich ist: wie jung und neuen Ufern zustrebend, wie modern in den Ausdrucksformen des Glaubens, wie lebendig und fröhlich. Wir setzen darauf, dass selbst die Passanten, die den Kirchentag nur im Vorübergehen in der Dresdner Innenstadt erleben, einen neuen Eindruck von Kirche bekommen. Wir hoffen auch, dass die vielen Suchenden, die den Sinn ihres Lebens noch nicht gefunden haben und deswegen zum Kirchentag kommen, eine Antwort finden werden. Der christliche Glaube ist ein Angebot zu einem Leben in Freiheit. Gerade wenn ich einen Halt und eine Orientierung im Glauben gefunden habe, kann ich mein Leben in einer großen Freiheit führen. Der Kirchentag ist eine große Chance, dieses Angebot des Glaubens kennen zu lernen und ein wenig zu erfahren, wie bereichernd für ein Leben es ist, der Kirche anzugehören.
Vor allem aber ist der Kirchentag für unsere Landeskirche und ihre Glieder ein großer Anlass zur Freude. Wir werden fünf Tage lang ein wunderbares Fest des Glaubens erleben. Christen werden gestärkt, ermutigt und erfüllt von Gottesdiensten, Bibelarbeiten, Konzerten und Diskussionen nach Hause fahren. Sie werden viele Erinnerungen an gute Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und Impulse für das Gemeindeleben
mit in ihre Heimatorte nehmen. So wird der Kirchentag das Leben der Kirchgemeinden in unserer und den anderen Landeskirchen sehr positiv beeinflussen.
Abschließend möchte ich all denen danken, die schon seit dem letzten Kirchentag auf den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag Dresden 2011 hinarbeiten und ihnen Gottes Segen für ein gutes Gelingen der weiteren Vorbereitungen wünschen.


