Samstag, 26. Mai 2012
Mein Kirchentag

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Pfade durch den Kirchentag: Klára Tarr Cselovszky

Kirchentag aus Sicht eines ausländischen Gastes

Dr. Klára Tarr Cselovszky ist Ökumenereferentin der Ev.-Luth. Kirche in Ungarn und Mitglied der Projektleitung für das Begegnungszentrum Mittel- und Osteuropa. Gemeinsam mit ihr machen sich rund 700 christliche Menschen aus Ungarn am 1. Juni auf den Weg nach Dresden.

 

Es ist aussergewöhnlich, dass am Mittwoch jemand aus einem anderen Land den Eröffnungsgottesdienst auf dem Altmarkt halten kann. Vom ungarischen Bischof Tamás Fabiny erwarten wir etwas mittel-osteuropäisches, was den Menschen im Herzen bleibt, was frisches Ungarisches und etwas, was zur Versöhnung mit unserer Geschiche führt. Etwas frisches Ungarisches gibt es auch am Abend der Begegnung: leckeren Baumkuchen.

Den Donnerstag kann man mit gleich zwei Morgengebeten beginnen, um 6.00 Uhr auf der Kuppel der Frauenkirche für Frühaufsteher und nach dem Frühstück in der Turmkapelle der Dreikönigskirche, oberhalb des Begegnungszentrums Mittel- und Osteuropa (BZMOE). Die Gebete sind entsprechend mittel-ost-europäisch gestaltet. In der Bibelarbeit von John von Düffel und Karin von Welck interessiert mich, wie ein Dramaturg die Bergpredigt erfasst, der in seinen Büchern, Filmen, Hörspielen die Kernfragen des Menschen bewegt. Zoltán Balog, der heutige ungarische Staatssekretär für soziale Integration, diente 1989 als Pfarrer unter den deutschen Flüchtlingen. Seine Erfahrungen teilt er um 11.00 Uhr im Café Freiheit. Ein besonderer Gottesdienst mit dem Titel Hoffnung hinter Mauern findet um 14.00 Uhr in der Justizvollzugsanstalt statt. Wir reden oft von Gefangenen, die wegen Kriminalität oder Korruption verurteilt werden. Nachdem Urteil verschwinden diese Menschen vor den Augen der Gesellschaft. Wie geht aber ihr Leben im Gefängnis weiter? Zum Ausklingen des Tages hilft uns ein lockerer klassischer Abend. Ein musikalischer Vortrag zu Bachs Kunst der Fuge, Lass uns einfältig werden, und anschließend das Paulus-Oratorium in Musik und Bild am Elbufer.

Am Freitag darf etwas später aufgestanden werden, aber pünktlich zur Bibelarbeit von Katrin Göring-Eckhardt. Im Hauptvortrag von Jerzy Karol Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments, lassen sich Ost- und West-Europa mit den Augen eines Politikers aus Polen sehen, der zugleich der Kirche verpflichtet ist. Danach lohnt ein Besuch auf der Kulturmeile Unplugged auf der Prager Straße, die in hunderten von Vorstellungen entlang der Prager Straße, von Puppenspiel bis zur Volksmusik aus verschiedenen Ländern, zeigt, dass es auch ohne Stromanschluss geht. Zurück im BZMOE gibt es einen Erzählsalon zur internationalen Ökumene. Ökumenisch und international ist auch das Deutsch-Ungarische Feierabendmahl in der ev.-ref. Gemeinde im Brühlschen Garten. Danach ist bestimmt noch Zeit, um bei Nina Hagens Konzert Gospel für eine gerechtere Welt vorbeizuschauen. Und beim Nachtgebet warten anschließend Kerzenmeer, lichte Lieder und besinnliche Stille.

Die Predigt im Lutherischen Morgengottesdienst am Samstag um 8.00 Uhr in St. Petri hält Einars Alpe aus Lettland. In der Dialogbibelarbeit in der Dreikönigskirche setzen sich der evangelische Generalbischof Miloš Klátik und der Dominikaner Péter Sajda mit dem Bibeltext Mathäus 6, auseinander statt miteinander. Die Heilige Schrift verbindet. Um 11.00 Uhr spricht dann die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Hauptvortrag zum Thema Auf dem Weg zu einer neuen Weltordnung?. Nachmittags gibt es Kultur, erst mit Kirchenmusik im Big Band Sound und dann mit dem Film Aufbruch 1989 im ICC. Einen Ausklang des Kirchentages vor dem Abschlussgottesdienst bietet der Abendsegen in der Dreikönigskirche.

Am Sonntag bleibt der festliche Schlussgottesdienst mit Abendmahl mit der Predigt von Ulrike Trautwein. Dann heißt es: Abschied vom Kirchentag und voneinander. Wir fahren als andere Manchen nach Hause, nie werden wir wieder so sein, wie vor dem Kirchentag.