Montag, 21. Mai 2012
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Globales Wirtschaften, Kaputt wachsen - gesund schrumpfen

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Scharfe Kritik an der vorrangig auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaft hat der Wirtschaftsexperte Tilman Santarius geäußert. Ernst Ulrich von Weizsäcker pflichtet ihm bei, dass unsere Zivilisation Verzicht noch nicht gelernt habe.

Wachstum sei heute geradezu zum Glaubenssatz aller Politik geworden und gelte als Allheilmittel für jegliche politische oder soziale Maßnahme, erklärte Santarius auf einem Hauptpodium des Kirchentages. Dabei sei längst erwiesen, dass der Verbrauch natürlicher Ressourcen heute um das Anderthalbfache höher liege, als es die Erde überhaupt hergebe. „Wir müssen dahin kommen, dass Wirtschaft floriert, ohne zu wachsen“, betonte Santarius, der für „Germanwatch“ und die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet. Es sei Aufgabe der Politik, einen solchen Prozess zu steuern.

Gegen die Dominanz des anglo-amerikanischen Denkens

„Es war eine meiner zutiefst deprimierenden Erfahrungen in Amerika, dass in den angelsächsischen Ländern die Frage nach den Grenzen des Wachstums kaum gestellt wird. Das grenzt schon an Realitätsverdrängung“, erklärte Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ko-Vorsitzender des „International Resource Panel“ der Vereinten Nationen. Er rief die Europäer auf, sich zusammen mit asiatischen Denkern „gegen die Dominanz der anglo-amerikanischen Denkweise zur Wehr zu setzen“. Verzicht und damit auch gleiche Verteilung von weniger Arbeit habe unsere Zivilisation noch nicht gelernt, fügte von Weizsäcker hinzu.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe, Vorsitzende einer jüngst eingerichteten Enquete-Kommission, erinnerte daran, wie schwer es für jeden Politiker sei, sich für den Verzicht auf althergebrachte Gewohnheiten einzusetzen. „Wie können wir die Menschen dazu bringen, weniger zu wollen?“, fragte sie. Es fehlten einfach noch nicht-ökonomische Indikatoren für Wohlstand und Zufriedenheit.

Postautistischer Ökonom

Der im Programmheft des Kirchentages als „postautistischer Ökonom“ eingeführte Betriebswirtschaftler Christoph Gran forderte dringlich, die Gesellschaft „fit“ zu machen, damit es wegen der unvermeidlichen, heute längst absehbaren Einschränkungen nicht zu politischen Verwerfungen und Rebellionen komme. Einschränkungen seien kein Verzicht, sondern Befreiung: „Wir müssen jetzt und freiwillig den Wohlstandsschrott aussondern, der unser Leben verstopft.“