Höppner: Wachstum nicht als „Staatsgott“ verehren

Der ehemalige Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner (SPD), hält die Deutschen für „Weltmeister im Verdrängen von Problemen“. In einer Bibelarbeit rief der SPD-Politiker unter anderem dazu auf, wirtschaftliches Wachstum nicht länger wie einen Staatsgott zu verehren.
Wörtlich sagte Höppner: „Eine endliche Erde verträgt kein unendliches Wachstum. Umkehr ist nötig.“ Offenkundig müsse es erst zu einer atomaren Katastrophe wie in Fukushima kommen, damit wir wahrnehmen, was ein Restrisiko ist, sagte Höppner. Auch die Klimakatastrophe habe man lange nicht wahrhaben wollen. Ebenso sei absehbar gewesen, dass sich der Krieg in Afghanistan militärisch nicht gewinnen lasse. Stattdessen hätte man auf Verhandlungen mit dem Gegner setzen müssen. Verdrängt würden auch die Probleme von Armut und Ungerechtigkeit im eigenen Land.
Selber denken statt denken lassen
Nach Auffassung Höppners werden „zu wenige Dinge wirklich tief aus dem Herzen heraus gesagt, mit Gefühl und Verstand“. Die Menschen hätten den Eindruck, die Aussagen der Politiker seien nur „taktisches Gerede“. Zu viele Menschen „denken nicht mehr selbst“, meinte Höppner. „Sie lassen denken“ und redeten nur nach, was Mitarbeiter, Journalisten oder einfach die Leute sagten.
Der frühere Magdeburger Ministerpräsident hielt die Bibelarbeit im Dialog mit seiner Frau, der Pfarrerin Renate Höppner. Sie ermutigte zum Schluss der Andacht zu „schöpferischem Handeln“ und sagte: „Wir werden unsere ganze schöpferische Kraft brauchen, neues Denken und neues Handeln.“


