Montag, 21. Mai 2012
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Von Borries: Internet schafft Urheberrecht ab

Foto: re-publica2011

Die Realität des Internets schaffe das Urheberrecht ab, sagte Christian von Borries am Donnerstag bei der Podiumsdiskussion „Kopieren oder Kassieren“ auf dem 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Der Berliner Komponist und Dirigent verwies in seiner Argumentation auf den Literaturwissenschaftler Roland Barthes, der in seinem gleichnamigen Werk den Tod des Autors postuliert. „Wir müssen uns fragen“, so von Borries, „ob die Urheberschaft nicht beim Zuhörer liegt.“ Beim Herunterladen einer digitalen Kopie nehme man – anders als bei einem Ladendiebstahl – niemandem etwas weg.

Patrick Wagner von der Musikseite SellABand.com, auf der sich Musiker bei der Produktion durch sogenannte Schwarmfinanzierung von ihren Fans unterstützen lassen können, hielt dagegen: „In dem Moment, wo ich sage: ‚Sobald deine Musik von einem Label veröffentlicht wurde, hast du keine Rechte mehr’, besteht die große Gefahr, dass immer weniger Leute wirklich gute Musik produzieren.“ Deshalb sollten Musiker für ihre Arbeit entsprechend entlohnt werden. „Das läuft auf den Gedanken einer Kulturflatrate hinaus“, so Wagner.

Ein solches Konzept sieht eine gesetzlich geregelte Pauschalabgabe vor.
Philipp Otto, Jurist und Redakteur der Urheberrechts-Informationsplattform iRights.info, verwies darauf, dass das Urheberrecht in Bezug auf das Internet veraltet sei. Jeden Monat würden deutsche Internetprovider 300.000 Urheberrechtsverletzungen registrieren. „Wenn es so weiter geht, wird das Urheberrecht in zehn Jahren eine nette Anekdote sein, die der Realität aber völlig hinterher hängt.“

Die Kulturmanagerin Christine Fuchs plädierte dafür, eine private Verwertung von Musik, beispielsweise durch Sampler auf Youtube, solle nicht strafrechtlich verfolgt werden, da dadurch sehr viel Kunst verhindert werde. „Es ist wichtig, dass unsere Gesellschaft eine möglichst kulturelle, gebildete, eine möglichst kreative Gesellschaft ist.“ Fuchs betonte: „Wir müssen von der Politik fordern: Schafft uns Regeln!“