Humor half Angst überwinden
Er habe oft Angst gehabt angesichts des Aufgebots von Polizei und Staatssicherheit vor seiner Kirche, bekannte Christian Führer, langjähriger Pfarrer an der Leipziger Nikolaikirche und „Erfinder“ der von dort ausgehenden Montagsgebete, die seinerzeit mit zur Wende in der DDR beigetragen hatten. Aber, so Führer weiter, sein Glaube sei immer „ein Stück größer“ gewesen als seine Angst. Das Gebet habe ihm geholfen, „ohne Gebet wäre man in der Angst umgekommen“. Die jahrelangen Belastungen habe er aber auch mit Humor ausgehalten: „Humor kann Angst überwinden helfen. Er ist der gute Bruder des Glaubens. Das hat die Kirche leider noch nicht entdeckt!“
Führer sprach am Freitagmorgen auf einem Podium des Kirchentages in Dresden zum Thema „Mut und Wut. Altwerden ist nichts für Feiglinge“. , das überfüllt und erst nach gefährlichen Engpässen durch nur zwei schmale Eingänge zu erreichen war. Die von ihm begonnenen Montagsgebete hätten ihm und allen, die dabei waren, die Kraft zum Widerstand gegeben. Es habe immer wieder Mut gemacht zu sehen, dass in der Kirche die Macht der Stasi zu Ende war Die eigentlich ehrenhafte Titulierung „Ikone des Widerstandes“ lehnte er kategorisch ab. Auch den vom Schriftsteller Christoph Hein an Leipzig verliehene Titel „Heldenstadt“ mochte er nicht gelten lassen: „Wenn Sie mich ansehen, kommt niemand auf den Gedanken, mich einen Held zu nennen.“
Wut und soziales Engagement gingen und gehen für den inzwischen 68jährigen Führer auch nach der Wende weiter. Nach der Diktatur des Proletariats kam, so Führer, die „Diktatur des Kapitals“, die wegen ihrer Verlockungen und Angebote „fast noch schwieriger ist als die knöcherne Weltanschauung der DDR“. Maßstab seiner kirchlichen Arbeit bleibe nach wie vor die Hinwendung und Hilfe für Erniedrigte und sozial Benachteiligte.
Das Podium brachte noch andere Erfahrungsberichte über Engagement und Einsatz von Älteren. So berichtete der Erfurter Oberkirchenrat Peter Zimmermann von seinem jahrelangen Kampf gegen die rechte Szene in Thüringen. „Ich ermutige Menschen, sich auf die Straße zu setzen und Nazis zu blockieren“. Das sei zwar, polizeilich gesehen, eine Ordnungswidrigkeit und damit illegal, „ist aber gewissenhaft“. Nach seiner Erfahrung bringt es nichts, mit den Neonazis eine Diskussion zu suchen. Man müsse ihnen im wahrsten Sinne des Wortes den Weg versperren, und das immer wieder und mit größter Hartnäckigkeit; „Hartnäckig dran bleiben, das ist wirkungsvoller als rationale Anrede.“


