Montag, 21. Mai 2012
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Bsirske fordert Tarifvertrag „Soziales“

Für einen Tarifvertrag „Soziales“ hat sich Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, ausgesprochen. „Ein solcher Tarifvertrag könnte einheitliche Bedingungen für Pflegekräfte schaffen, Standards setzen und die Abwärtsspirale im Pflegebereich stoppen“, sagte der Gewerkschaftschef beim Forum „Soziale Dienstleistungen“ am Freitagnachmittag im Internationalen Kongresszentrum. Er lud den Präsidenten des Diakonischen Werks der EKD, Johannes Stockmeier, zum gemeinsamen Dialog ein: „Es gibt große Gemeinsamkeiten zwischen ver.di und Diakonie, wenn wir auf die nötigen Lösungen schauen“, so Bsirske. Derzeit regelt die Diakonie die Löhne für Pflegekräfte über ihre eigenen Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR).

Bsirske beklagte, dass der Pflegeberuf nicht das Ansehen genieße, das seiner gesellschaftlichen Bedeutung entspreche. 32 Prozent der Pflegekräfte, die Vollzeit arbeiten, verdienten unter 2.000 Euro brutto im Monat. „So macht Pflege arm, und zwar die Pflegenden“, kritisierte der ver.di-Vorsitzende. Um die bis 2020 benötigten 100.000 zusätzlichen Fachkräfte zu bekommen, müsse die Ausbildung voll vom Staat gefördert und der Beruf attraktiver werden. „In der Pflege gibt es derzeit keine Perspektiven für ein gesundes und austrägliches Berufsleben, es gibt keine Zeit für Pausen und keine verlässliche Freizeit – das macht auf Dauer krank“, sagte Bsirske.

Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier mahnte die Bundesregierung, sich der Hauptprobleme im Pflegebereich anzunehmen: demografische Entwicklung, Fachkräftemangel und die Frage der Ausbildungsrefinanzierung. Die Diakonie mit ihren 440.000 Haupt- und 400.000 Ehrenamtlichen wolle ein verlässlicher Arbeitgeber und Anbieter von Pflegeplätzen sein. Der Forderung nach einem Tarifvertrag „Soziales“ für Pflegekräfte wich Stockmeier aus: Die Löhne regele der AVR, allerdings sei es „ein Verhängnis“, dass es Regionen in Deutschland gebe, wo diakonische Verbände aufgrund des starken Wettbewerbs ihre Löhne „nach unten angleichen“.

Diese Praxis kritisierte Frank Bsirske heftig: „Die Verantwortlichen können sich darauf verlassen, dass es keine durchsetzbaren Sanktionen innerhalb des Diakonischen Werks gibt.“