Montag, 21. Mai 2012
Mein Kirchentag

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Ein Stück Luther steckt in jedem von uns

Vor der Frauenkirche steht Luther als Statue auf einem hohen Sockel. Als Luther verkleidet wandelt Bernhard Naumann durch die Straßen.

Der Reformator lebt: Mit etwas Glück können Passanten Martin Luther zwischen den Warenhaustempeln in der Dresdner Fußgängerzone treffen. Für einen lockeren Plausch über den Wandel der Zeiten und buchstäblich über Gott und die Welt ist er immer zu haben.

„Wir wollen nur ein Foto mit ihnen machen lassen“, bitten zwei junge Frauen und nehmen den Wittenberger Doktor in ihre Mitte. Dass er nach bald 500 Jahren den Menschen von heute noch viel zu sagen, davon ist er natürlich überzeugt. Geistreich pariert er süffisante Bemerkungen. Und meint mit einem fast diebisch-vergnügten Schmunzeln: „Ein bisschen Luther steckt doch in jedem von uns.“

Küster aus Wittenberg als Luther

In dem schwarzen Gewand und unter dem charakteristischen Reformatorenhut steckt Bernhard Naumann, der Küster der Wittenberger Stadtkirche. Bereitwillig rührt er zu besonderen Anlässen auch die Werbetrommel für seine Stadt und die Region der mitteldeutschen Hochburgen der Reformation. Und nach seinem Vorbild dürfen die Passanten selbst dem legendären Thesenanschlag nacheifern und Zettel mit ihren Forderungen auf eine Stellwand mit dem Bild der Schlosskirchenpforte von Wittenberg heften. „Mehr Angebote für junge Erwachsene“, „mehr Ehrlichkeit und Verantwortung“  ist da etwa zu lesen. Andere rufen nach einer „Kirche als Ort der Leidenschaft“ oder kündigen an: „2017 feiern wir in Rom“. Aber auch Verzweiflungsrufe wie „Die Kirche weiß nicht mehr über Gott“ oder gar „Gott kann auch nicht mehr helfen“ sind zu vernehmen.  

Lutherforum lädt zu Reformationsjubiläum 2017

An der Seite von Wittenberg stellen sich historische Orte wie Eisleben, Halle und andere den Kirchentagsbesuchern als „Lutherforum“ mitten in der Fußgängerzone vor – und laden zu den Veranstaltungen und Aktivitäten der Lutherdekade bis zum Reformationsjubiläum 2017 ein. Mit Gästen wie Stephan Dorgerich, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, oder dem Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung geben Gesprächsrunden auf einer Bühne Ausblicke auf die Schwerpunktthemen der kommenden Jahre wie Reformation und Politik oder Reformation und die Eine Welt. Das kommende Jahr steht ganz im Zeichen der Musik – was vor allem den Leipzigern sehr gelegen kommt: Sie feiern 2012 ein dreifaches 800-Jahr-Jubiläum und lassen mit der Thomaskirche auch den Chor, die berühmten Thomaner, und die Thomasschule hochleben.