Montag, 21. Mai 2012
Mein Kirchentag

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Gottesdienst abseits der Massen – Feierabendmahl normal

Am Vortag hatte der Gospelworkshop noch 1200 Gäste angelockt. Heute ist die Strehlener Kirchengemeinde der Christuskirche fast unter sich. Drei Schulen mit Übernachtungsgästen werden von der Kirchengemeinde zwar betreut, aber die wenigsten der Besucher haben ihren Freitagabend in Strehlen am Dresdner Stadtrand geplant. Sie gehen auf eines der zahlreichen Konzerte, Großveranstaltungen, Massenereignisse.

In Strehlen richtet die Gemeinde an diesem Abend gemeinsam mit dem Männerverband ein Feierabendmahl aus. Keine Promis, keine Liveshow, kein Spektakel. Nur zwei Stunden Gottesdienst mit Musikbegleitung. Gut 50 Besucher haben sich an diesem Freitagabend in der Christuskirche eingefunden. Ein Pärchen aus Niedersachsen hat sich herverlaufen, geht aber nach fünf Minuten wieder. „Wir dachten, hier sei heute ein Gospelkonzert, für einen Gottesdienst sind wir gerade nicht in Stimmung.“ erklärt der Mann mit Strohhut.

Während drinnen der Pfarrer unter der blauen Kuppel über die Rolle der männlichen Minderheit in der Gemeinde spricht, stehen Gemeindehelfer draußen am Grill. Hans bruzelt die Würste und erzählt von seinem Kirchentag. Veranstaltungen im Stadtzentrum sind nicht so sein Ding – zu viele Menschen – er veranstaltet lieber selber. Als Gastgeber nimmt er vom Kirchentag vor allem das Flair in der Stadt wahr. Die Menschenmassen bekommt er in der Straßenbahn mit, die Freundlichkeit der Menschen dort gefällt ihm. Die anderen Helfer nicken und erzählen ihre Tramerlebnisse, während sie um den Grill herumstehen und auf das Ende des Gottesdienstes warten. Die Tram trägt den Kirchentag auch zu denjenigen Dresdnern, die nicht an ihm teilnehmen.

Nach dem Gottesdienst erzählt der Kantor, seines Zeichens Kirchentagsmuffel, er hätte sich mehr solcher ganz normalen Gottesdienste gewünscht. Der Kirchentag ist ihm zu politiklastig. „weil manche wegen der ganzen sozialpolitischen Veranstaltungen den eigentliche Verkündigungsauftrag aus den Augen verlieren.“ Er mag keine Massenveranstaltungen, ihm reicht das Programm in seiner eigenen Kirchengemeinde. Mehr Arbeit hat er während des Kirchentags deshalb nicht, das normale Gemeindeprogramm wurde lediglich etwas verändert. Besonders die Morgen- und Abendgebete haben ihm gefallen.

Acht Stationen sind es zur Hauptbühne auf dem Altmarkt. Dennoch könnte das Stadtzentrum an diesem Abend weiter nicht weg sein.

Gloria Veeser